Fieldwork (von Shariann Lewitt)

Anna Taylor erlebte als junges Kind einen Vulkanausbruch. Dieses Ereignis motivierte sie, Geologin zu werden. Die Welt vermutet dahinter jedoch den Einfluss ihrer verstorbenen Großmutter und Fields-Medaillenträgerin Tatyana Kolninskaya. Die begnadete Wissenschaftlerin brach einst mit Annas Mutter zu einer Forschungsmission nach Europa auf. Bei einem Unglück kamen die meisten erwachsenen Wissenschaftler ums Leben, nur wenige, darunter die Kinder überlebten. Annas Mutter ist von diesem Unglück schwer gezeichnet und verhält sich ausgesprochen exzentrisch. Nun bietet sich Anna die Chance, ebenfalls an einer Mission nach Europa teilzunehmen. Während Anna darin die großartige wissenschaftliche Chance sieht, glaubt die Welt, sie eifere ihrer Großmutter nach. Auf dem Weg nach Europa liest Anna die privaten Erinnerungen ihrer Mutter. Dabei entwickelt sie langsam Verständnis nicht nur für ihre geniale Großmutter, sondern auch für das Verhalten ihrer Mutter nach dem Unglück.

Der Science Fiction Aspekt der Kurzgeschichte ist zunächst einmal verwirrend. Es geht hier um eine traumatisierte Mutter und ihr Kind, das im Zuge einer wissenschaftlichen Mission nicht nur die wissenschaftliche Motivation ihrer Großmutter, sondern auch die Gefühle ihrer Mutter verstehen lernt. Das ist überaus realistisch dargestellt: Die Menschheit ist hier nicht im großen Stil ins All „aufgebrochen“, sondern erkämpft sich immer noch mit gefährlichen und mühseligen Mission eine neue Sicht auf ihr eigenes Sonnensystem. Daher ist es unverständlich, wie man auf solch eine Mission eine Gruppe Kinder mitnehmen kann. Warum würde man nicht gleich auf kinderlose Forscher setzen? Den Kindern gelingt es zuletzt zudem, das Raumschiff zurück zur Erde zu lenken. Auch das erscheint etwas weit hergeholt.

Anna Taylor steht im Mittelpunkt der Erzählung. Die Geschichte besteht aus den Schilderungen Annas sowie Passagen, die sie in den Memoiren ihrer Mutter liest. Dabei erfährt der Leser wie wichtig es Anna ist, aus den Fußstapfen ihrer Familie zu treten. Das ist nicht einfach, wenn man sich für denselben „Job“ wie Mutter und Großmutter entschieden hat. Daher liest man lange Erklärungsversuche, warum die Wahl des Berufsfeld und die Teilnahme an der Europa-Mission der eigenen Motivation entspringt. Dieser Abschnitt der energischen Distanzierung ist genau so flüssig und interessant zu lesen wie die zweite Hälfte der Kurzgeschichte auf Europa. Hier erlebt Anna die Entbehrungen der Raumfahrt, die wissenschaftliche Begeisterung angesichts neuer Phänomene und die Sehnsucht nach der Heimat, die wohl auch ihre Großmutter bereits gefühlt hat. Die dadurch entstandene Empathie für die skrupellos wirkende Großmutter, die ihr eigenes Kind in Gefahr brachte, sowie die permanent abwesende Mutter ist gleichfalls lesenswert in Szene gesetzt.

Diese Familiengeschichte ist somit atmosphärisch dicht und angesichts der melancholischen Stimmung von überraschend viel Neugierde getrieben. Neben diesen zwar eindringlich aber letztlich doch etwas oberflächlich dargestellten Gefühlen enthält die Kurzgeschichte jedoch wenig spannende Elemente. Man wird so nach der Lektüre noch einen kurzen Moment an dem Eindruck der Raumfahrttragik der Kolninskya-Taylor Familie hängen. Mehr bleibt von der Geschichte jedoch nicht in Erinnerung.

Die Kurzgeschichte „Fieldwork“ von Shariann Lewitt ist 2016 in der Anthologie „To Shape the Dark“, herausgegeben von Athena Andreadis, erschienen . Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Year’s Best Science Fiction (34. Annual Collection)“, herausgegeben von Gardener Dozois. 

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