The Venus Effect (von Joseph Allen Hill)

Lord Tklux steht kurz davor die Omega Frage zu beantworten, die den Zusammenhalt der Gesellschaft zersplittern lassen wird. Prinzessin Amarillia will dies verhindern, benötigt allerdings die Hilfe des Afro-Amerikaners Apollo. Hill beschreibt verschiedene Versionen dieser Erzählung, doch in allen wird Apollo in der entscheidenden Situation von einem Polizisten getötet.

„The Venus Effect“ versucht sich an einer erzählerischen Warnung vor den Auswirkungen von Polizeigewalt. Insgesamt präsentiert die Kurzgeschichte neun Versionen, in denen Apollo versucht, die Gesellschaft zu retten. Mal ist er ein typischer Macho, mal ein schüchterner Teenager, mal ein verlassener Liebhaber und mal bleibt er einfach die ganze Zeit zu Hause. Auf irgendeine Art erwischt ihn die Polizei immer, was sarkastisch, als Metafiktion von Hill in Zwischenpassagen kommentiert wird. Selbst als Polizist wird Apollo einmal von Kollegen erschoßen. Erst als sich die Rolle dreht und Apollo selbst der schießende Polizist wird, dem die Omega Frage (Who matters?) gestellt wird, dreht sich die Situation. „The Venus Effect“ wird dadurch zu einer sehr ernsten Erzählung im satirisch-bitteren Gewand. Die neun Wiederholungen eines ähnlichen Ausgangsszenarios nutzen sich jedoch rasch ab, spätestens der vierte Durchlauf ist alles andere als komisch. Denn Hill verarbeitet hier die verschiedensten Fälle, in denen schwarze Bürger der USA durch Polizeigewalt ums Leben kamen.

Die Verzweiflung des Metaautors ist daher der gelungenste Part der Kurzgeschichte, sie greift nämlich im Verlauf der Geschichte auf den Leser über. Polizeigewalt kann (in den USA?) überall geschehen und wenn man zu einer „Risikogruppe“ gehört, ist man nirgendwo davor sicher. Umso interessanter ist der letzte Abschnitt, in dem Apollo nun als (weißer) Polizist die andere Seite erlebt und sich die Frage stellt, „who matters“? Auf der einen Seite baut dieser Abschnitt Verständnis für Polizisten auf, die ebenfalls um ihr Leben fürchten. Auf der anderen Seite werden hier klare rassistische Vorurteile aufgezeigt und mit der bewussten Einstellung verbunden, dass in einigen Situation der Polizist bewusst einen (tödlichen) Fehler akzeptiert.

„The Venus Effect“ baut durch die verschiedenen verarbeiteten Fälle Verzweiflung auf. Gleichzeitig werden die Wiederholungen jedoch trotz des gelungenen Erzählers etwas monoton. Die zunächst temporeiche, satirisch-bittere Erzählung verliert dadurch deutlich an Schwung. Den Platz hätte man nutzen können, um das Ende zu verbessern und den Einblick in die Gedanken des immer wieder auftauchenden, mordenden Polizisten zu schärfen.

Die Kurzgeschichte „The Venus Effect“ von  Joseph Allen Hill ist 2016 im „Lightspeed„-Magazin erschienen. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2017“, herausgegeben von Charles Yu und John Joseph Adam.

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