The Fifth Season (von N. K. Jemisin)

(dt. Zerrissene Erde)

Die Welt ist instabil. Regelmäßige Erdbeben und Plattenverschiebungen können jederzeit eine neue „Season“ auslösen. In dieser Zeit ist es beinahe unmöglich für Menschen zu überleben. Daher bilden sich Gemeinschaften, in denen die Unnützen aussortiert werden und jeder eine klar beschriebene Funktion hat. Doch es gibt auch die Orogene. Diese Menschen verfügen über die Fähigkeit mit dem Erdreich zu interagieren. Dadurch können sie entweder Erdbeben auslösen oder sie aber verhindern. Daher werden sie gefürchtet und in der Regel getötet. Das Imperium hat das Potenzial der Orogene erkannt und sucht sie als Kinder auf. Sie werden von ihren Wächtern anschließend in eine Gemeinschaft gebracht, wo ihre Fähigkeit unter Kontrolle gebracht wird. Der Roman verfolgt das Schicksal dreier Orogene. Essun ist die Mutter zweier Kinder. Nachdem ihr Gatte erfährt, dass sie eine Orogene ist, tötet er den ebenfalls mit der Fähigkeit gezeichneten Sohn und flieht mit der Tochter. Essun macht sich auf den Weg, Rache an ihrem Mann zu nehmen und ihre Tochter zu retten. Damaya ist ein junges Mädchen, dass von einem Wächter aufgesucht wird und in die Trainingseinheit der Orogene gebracht wird. Syenite ist eine junge Orogene, die mit einem der mächtigsten Orgene, Alabaster, auf eine Mission gesandt wird – und dabei ein Kind mit Alabaster zeugen soll, um seine Fähigkeiten an die nächste Generation weiterzutragen.

Die Welt der „zerrissenen Erde“ ist fantastisch. Auf einem einzigen Kontinent hat sich das Leben der Menschheit komplett auf das Überleben ausgerichtet. Denn die Erde arbeitet gegen ihre Bewohner. Hinzu kommen neben den Orogenen weiter fantastische Lebewesen, wie zum Beispiel Steinfresser sowie merkwürdige Obelisken, die an verschiedenen Orten über der Erde schweben. Die Menschen richten sich auf kalte Art auf dieses Leben ein. Unnütze Menschen, die in keine der Berufskasten passen, werden aussortiert. Jeder hortet Vorräte für die nächste dunkle Zeit. Und über allem herrscht ein undurchsichtiges Imperium, das es bestens verstanden hat, andere Menschen auszubeuten. Die Orogene sind dabei die wichtigste Stütze der Menschheit, halten in einem brutalen, weil die Orogene schädigenden, Netz Erdbeben auf. Wegen ihrer Fähigkeiten werden sie jedoch von allen gefürchtet und deswegen ist ein undurchdringliches Kontrollnetzwerk aus Wächtern geschaffen worden, das rebellische Orogene umgehend tötet. Diese lebensfeindliche Welt und die dahinter stehende durchorganisierte Gesellschaft ist von Jemisin beeindruckend geschildert und entwickelt in diesem Roman ein fesselndes Eigenleben.

Der Leser erfährt über all diese Vorgänge häppchenweise aus der Sicht der drei Protagonistinnen. Es ist relativ frühzeitig klar, dass es sich dabei um dieselbe Person in unterschiedlichen Lebensabschnitten handelt – auch wenn diese Enthüllung lange verzögert wird. Die Ausbeutung der Orogene, die brutale Konditionierung aber auch die Feindlichkeit der von ihnen profitierenden Gesellschaft ist aus diesen drei Perspektiven sehr gut dargestellt. Das Resultat ist ein spannender Roman, in dem die Protagonistin um die Zukunft der Welt kämpft und gleichzeitig ihre eigene Unterdrückung aus Kinder-, Jugend- und Erwachsenenaugen betrachtet. Als junges Mädchen erkennt Damaya in herzzerreißenden Szenen ihre eigene Unterdrückung. Syenite ist zu Beginn ihrer Reise mit Alabaster hin- und hergerissen zwischen Resignation und zögerlich, optimistischen Hoffnungen auf eine angenehme Zukunft. Essun ist abgeklärt, ihre Hoffnung auf ein ruhiges, liebenswertes Leben wurden gerade zerstört und so übernimmt ein resignierter Schmerz, der auf Rache dringt. Durch diese drei Perspektiven, die sich im Laufe des Romans in unterschiedliche Richtungen entfalten und einen enorm komplexen Charakter erschaffen, baut Jemisin baut enorme Sympathien für ihre Protagonistin auf. Jede Wendung des Buches wird dadurch zu einem spannenden, wirkungskräftigen Moment.

In dieser „zerrissenen“ Welt muss Überleben die höchste Priorität haben. Für die Protagonistin ist die Frage, wie Freiheit und Liebe in diese Welt passen, jedoch genau so wichtig. Im Mittelpunkt des Romans steht daher Frage, wann man das gute Leben erreicht hat. Dies drängt sich im spannendsten der drei Handlungsabschnitte relativ schnell auf, als Syenite und Alabaster durch eine dramatische Wendung die Möglichkeit erhalten, abgeschieden ein neues Leben zu beginnen. Ist Ruhe und Frieden bereits genug, wie Alabaster Syenite am Höhepunkt der Handlung vorschlägt? Für die Protagonistin reicht dies nicht. Ihr Gewissen lässt es als junge Frau kaum zu, dass Leid, dass Ihresgleichen geschieht zu ignorieren. Zum Verhängnis wird ihr jedoch, dass sie zumindest das Leid, dass sie selbst Menschen, in einer Notsituation zugefügt hat, verhindern möchte. Dieses tragische Finale, indem Empathie zur Katastrophe führt und gleichzeitig in vielen Situation die Protagonistin erst mit sich selbst ins Reine kommen lässt, ist temporeich, spannend und bewegend zugleich.

Jemisin setzt das Leben einer empathischen, energischen und optimistischen Frau in einem System brutaler Unterdrückung  in einen spannenden Roman um, der mit seiner fantastischen Welt, seiner drei Perspektiven sowie seiner spannenden Haupthandlung um Syenite und Alabaster unterhaltsam um. „The Fifth Season“ ist schwer aus der Hand zu legen und lässt den Leser nach einem dramatischen Finale beeindruckt und mit viel Vorfreude auf den zweiten Band zurück.

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