Smear (von Brian Evenson)

Ein Astronaut ist in einem Schiff an seinen Stuhl gebunden. Dieser hält seine Muskeln beschäftigt, eigentlich sollte der Astronaut dabei schlafen. Doch etwas ist schief gelaufen, er ist wach. Außerdem sieht er an der Wand eine Schliere (im Original Smear). Er befragt das Computersystem, was es damit auf sich hat. Zunächst gibt das System an, es nicht zu wissen; anschließend ignoriert es den Astronauten. Der steuert nun allein, irritiert von der Schliere seinem Ziel zu – bis er sich aus seinem Stuhl erhebt, um die Schliere zu untersuchen, darin sein eigenes Gesicht erkennt und bei der Ankunft des Schiffes von Technikern leblos aufgefunden wird.

„Smear“ ist in erster Linie verwirrend. Man versucht sich zusammen mit dem Astronauten, in dem fremden Umgebung des Schiffes zu orientieren. Doch die Kurzgeschichte gibt wenig Antworten auf die vielen Fragen, die der Vorgang aufwirft. Was es mit der Schliere auf sich hat, in wiefern der Astronaut von dem Computerprogramm beeinflusst wurde, inwiefern er sich das Programm in Selbstgesprächen möglicherweise nur vorgestellt hat, bleibt völlig unklar.

Der schaurige Horror der Geschichte rührt aber genau von der Abhängigkeit des Menschen von einem technischen Gerät. Wie bei lebenserhaltenden Maßnahmen scheint der Astronaut auf seiner langen Reise von dem Stuhl, mit dem er körperlich verbunden ist, abzuhängen. Tatsächlich überlebt er die Trennung von seinem Stuhl nicht. Zudem ist hier etwas schief gegangen. Die gesamte Kurzgeschichte kann sich also als Versuch des Astronauten lesen, sich mit dem geschehenen Fehler zu arrangieren. Das gelingt nicht. Diese schaurige Atmosphäre ist sehr gelungen.

Mehr als ein paar Gedanken über die schaurigen Aspekte der Abhängigkeit von Technik bietet „Smear“ jedoch nicht wirklich. Dafür ist die Situation an Bord des Schiffes, die Bedeutung der Schliere und letztlich das Schicksal des Astronauten zu verworren beschrieben.

Die Kurzgeschichte „Smear“ von Brian Evenson ist 2016 im „Conjunctions„-Magazin erschienen. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2017“, herausgegeben von Charles Yu und John Joseph Adam.

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