Solo – A Star Wars Story

Corellia wird von Verbrecherbanden kontrolliert. Wer die notwendigen Mittel aufbringen kann, verlässt den Planeten. Der junge Han Solo wächst mit seiner Freundin Qi’ra in einem der Syndikate auf. Um von Corellia zu fliehen und sich und seiner Freundin ein neues Leben als Frachterkapitäne zu ermöglichen, zweigt er sich regelmäßig einen Teil der Beute ab. Kurz vor der gemeinsamen Flucht geht etwas schief. Während Han den Planeten verlassen kann und sich in der Folge als imperialer Söldner rumschlägt, wird Qi’ra geschnappt und verbleibt auf Corellia. Han vergisst seine Freundin nie und arbeitet weiterhin an dem Ziel, ein eigenes Schiff zu erwerben und Qi’ra von Corellia zu befreien. Als er in einer Kampfsituation auf eine Schmugglergruppe trifft, ergreift er seine Chance auf den schnellen Gewinn. Die Mission ist zwar lebensgefährlich, aber dafür hat er am Ende die Aussicht, seine große Liebe wiederzusehen.

Wozu braucht es ein „Star Wars“-Prequel um Han Solo? Was sind die großen Geheimnisse, die die ersten drei Filme der Reihe noch nicht enthüllt haben? Han Solos Hintergrund ist für die Handlung der Saga relativ unwichtig. Der Schmuggler zeigte schließlich im Verlauf der Filme, dass er hinter seiner harten Schale ein großes Herz hat. Das erschient plausibel genug, dass am Ende keineswegs die Frage im Raum stand, wie diese merkwürdige Mischung aus Egoismus und Altruismus wohl zustande kam. „Solo“ muss dementsprechend entweder äußerst kreative Wege beschreiten, um eine Hintergrunderzählung zu Han Solo interessant zu machen oder aber eine eigenständige, überzeugende und spannende Erzählung entwickeln, die idealerweise noch Einblicke in das Leben unter dem Imperium bietet.

Tatsächlich gelingt es dem Spin-Off nicht, interessante Aspekte der Figur Han Solo herauszuarbeiten. Es ist von Beginn an klar, dass Han irgendwann den Falcon im Glücksspiel gewinnen wird, den Kessel-Flug in kürzester Zeit schafft und garantiert kein Happy End mit seiner großen Liebe verbringen wird. Diese Entwicklungen sind dementsprechend keine Überraschung und erschaffen somit auch keine Spannung.

Interessanter ist hier das Thema des organisierten Verbrechens innerhalb des Imperiums. Auf der einen Seite fragt man sich, warum die machthungrige Organisation des Imperators so etwas zulässt. Sicherheit und Ordnung sind ja eigentlich die einzigen Legitimationsquellen des Imperiums. In „Solo“ präsentiert sich das Imperium wiederum als korrupte Organisation, die ausschließlich Unterdrückung, nicht aber Sicherheit und Ordnung anzubieten vermag. Außerdem erlebt der Zuschauer ausschließlich Einblicke in das Innenleben der Verbrecherbanden. Ihren Einfluss auf die verschiedenen Gesellschaften des „Star Wars“-Universums und damit das Leid, das sie verursachen, wird hier nicht betrachtet. Der letzte interessante Aspekt, wie die Existenz dieser vom Imperium in Teilen geduldeten Unrechtsgruppen die Erschaffung der Rebellion erst ermöglichen, wird nur am Rande abgearbeitet. Stattdessen verbindet man die Verbrechergruppen mit einer völlig handlungsirrelevanten Enthüllung, die einen Hauptantagonisten aus einem der vermutlich am verachtetsten „Star Wars“-Episoden ohne Grund (und ohne Funktion) zurückholt. Es mag sein, dass die Verantwortlichen im immer serieller denkenden „Franchise“-Kino gehofft haben, nach einem bahnbrechenden „Solo“-Erfolg hieraus entweder ein Fortsetzung oder die bereits von Lucas geplante Fernsehserie über die Kriminalität und Unterwelt während der Herrschaft des Imperiums im „Star Wars“-Universum zu erarbeiten. So trägt dieses Ende aber nur zu einem misslungenen Eindruck eines durchschnittlichen Films bei. Der Gastauftritt ist dadurch ein gutes Beispiel wie man die Stärken seriellen und zyklischen Erzählens ignoriert und durch gedankenlose Referenzen einen schlechten Eindruck hinterlässt.

Trotz allem hätte „Solo“ durchaus ein guter, unterhaltsamer Film werden können. Er beleuchtet revolutionäre Droiden, Sklaverei unter dem Imperium und gibt sogar Einblicke darin, wie das Imperium seine Bürger als merkwürdige Söldnertruppen mit miserabler Ausrüstung verbrennt. Das hätte die Möglichkeit geboten, das Leben (und Leiden) im Imperium etwas stärker zu skizzieren. Han rutscht in diesem Film eher zufällig in sein illegales Metier. Die Liebe lässt ihm keine andere Wahl. Das ist viel zu romantisch für seinen Charakter. Besser wäre es gewesen, mit „Solo“ zu zeigen, dass Unabhängigkeit unter dem Imperium nur in Verbindung mit (grausamen) Mafia-Organisationen möglich ist. Dieser Trade-Off hätte ein eindringliches Statement über die Unmöglichkeit der moralisch einwandfreien Freiheit in Diktaturen werden können. Auch dieser Ansatz ist zum Beispiel in der originalen Schmugglergruppe gegeben. Nur leider bringt der Film alle interessanten und nachdenklichen Protagonisten so schnell wie möglich um. Einzig der langweilige, zur Trauer unfähige Anführer bleibt dem Zuschauer den Rest des Filmes über „erhalten“. So ist „Solo“ ein Potpourri verschiedener Motive, die zusammen keine interessante Handlung formen können.

Es ist daher unverständlich, dass sich die Autoren nicht entschieden haben, entweder einen ernsten Film über das Leiden der Bevölkerung im Imperium oder aber einen komischen Film über den Draufgänger Han Solo zu drehen. „Solo“ ist irgendwo zwischen diesen beiden Ansätzern und kann dadurch nicht wirklich überzeugen.

Aus all dieser Verwirrung ragen drei Aspekte heraus. Erstens funktioniert die Dynamik zwischen Han und seiner Freundin Qi’ra. Obwohl ihre Funktion im Film merkwürdig ist, sie viel zu konstruiert genau an der richtigen Stelle in der Mitte des Filmes auftaucht, sind Hans Gefühle für sie überzeugend. Zweitens ist das Verhältnis zu Chewbacca genau so gelungen inszeniert. Wie sich das Traumpaar des „Star Wars“-Universums hier kennenlernt, ist sehr überzeugend. Glücklicherweise versucht der Film erst gar nicht, Chewbacca zu tiefgründig zu analysieren. Er bleibt hier der unabhängige und dennoch loyale Charakter, den man aus den Originalfilmen schätzt. Zuletzt überzeugt auch Lando Calrissian. Er wird hier als genau so gerissen wie Han dargestellt. Die „Freundschaft“ zwischen den beiden kann man getrost noch einmal überdenken. Das macht Hans Flucht nach Bespin in „Das Imperium schlägt zurück“ noch eine Nummer waghalsiger und ist genau der interessante Hintergrundaspekt mit dem „Solo“ eventuell ein guter Film sein könnte.

Alles in allem bietet „Solo“ viel Action aber wenig Handlung. Der Film weiß zu keinem Zeitpunkt genau wo er hin will und erzählt so alles nach, was man über Han Solo sowieso schon weiß. Die Handlung darum verliert sich in einzelnen Motiven und wirft ständig neue Fragen auf, ohne auch nur eine einzige davon zu beantworten. Das unterhält im Moment, hinterlässt in der Gesamtbetrachtung jedoch einen äußerst unbefriedigenden Eindruck.

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