When they came to us (von Debbie Urbanski)

Die Blues müssen auf der Erde notlanden. Sie werden bald als Flüchtlinge in eine Kleinstadt umgesiedelt. Die Bewohner bemühen sich darum, die Außerirdischen zu integrieren. Doch alle Versuche, Verständnis aufzubauen, schlagen fehl. Als die Wirtschaftskrise in der Region immer stärkere Auswirkungen hat und die Bewohner das Gefühl haben, die Blues haben schlechte Auswirkungen auf die Stadtgesellschaft, reift die Entscheidung, dass die Zugezogenen verschwinden müssen.

Die Kurzgeschichte ist in ruhiger und sachlicher Berichtssprache gehalten. Der Text macht erweckt allerdings auch den Eindruck als reflektiere die erzählende Stimme die Ereignisse aus der Zukunft. Tatsächlich handelt es sich bei dem Erzähler um eine sehr einseitige Position: Die Kleinstadt entscheidet sich am Ende dafür, alle Blues umzubringen. Die Bewohner leben mit dieser Tat, indem sie sie rationalisieren. Und daher werden in dem Bericht verschiedene Alltagsepisoden miteinander vermengt, um irgendwie ein Argument zu konstruieren, warum man in der Wirtschaftskrise keine Außerirdischen beherbergen könnte. Das ist gerade angesichts elementarer Fragen, z.B. nach den Rechten, die ein Außerirdischer auf der Erde wohl genießt, erschreckend banal und brutal. Denn während es eigentlich darum geht, das Existenzrecht einer ganzen Gruppe wegzudiskutieren, wird das Argument vor allem mit kleinen Episoden misslungener Integration aus Schule und Alltag konstruiert.

Der Text wird noch etwas stärker dadurch, dass er die Integrationserfahrungen der meisten westlichen Einwanderungsgesellschaften widerspiegelt. Die Mehrheitsbevölkerung ist zunächst stark um Toleranz bemüht. Diese ist aber weder hilfreich noch wahrhaftig. Denn hinter der Fassade der Toleranz bleibt man entrüstet und beleidigt über jeden kulturellen Unterschied. Verständnis wächst dadurch auf keiner Seite. Im Gegenteil: Beide Seiten entfernen sich immer weiter voneinander. Urbanski beschreibt dies so, dass trotz des fremdartigen Verhaltens der Außerirdischen, das Schicksal der Blues mit jeder menschlichen Gemeinschaft passieren könnte.

„When They Came to Us“ spielt so mit der Frage, wie ein Völkermord plötzlich und geradezu unaufgeregt vor der eigenen Tür geschehen kann. Durch den stilistischen Aufbau hinterlässt dies einen gruseligen Eindruck, da der Umgang mit den Blues wie eine äußerst glaubwürdige Art menschlicher „Gastfreundschaft“ in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist. Auf diese Art macht Urbanski das Dilemma moderner Einwanderungsgesellschaften deutlich, deren teilweise unreflektierten Integrationsangebote Vorurteile und Gegensätze befördern anstatt sie abzubauen.

Die Kurzgeschichte „When They Came to Us“ von Debbie Urbanski ist 2016 im „The Sun“ – Magazin erschienen. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2017“, herausgegeben von Charles Yu und John Joseph Adam.

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