Die Verdammten von Fort Hope (von Wes Andrews)

John Donovan hat das Schmugglerdasein beendet. Er und seine Crew arbeiten nun offiziell für die Konföderation der Randwelten. Angesichts des Bürgerkriegs mit der Union der Kernwelten ist dies weiterhin eine riskante Tätigkeit. Zumal ihr erster großer offizieller Auftrag Donovan und seine Besatzung an den Rand ihrer Möglichkeiten bringt. Damit die Konföderation expandieren kann, sollen sie Fort Hope infiltrieren und zerstören. Dadurch wäre es weiteren Randwelten möglich, sich gegen die Union zu erheben. Nur leider ist Fort Hope sehr gut gesichert, ein Frontalangriff ist ausgeschlossen. Und so fliegen Donovan und seine Kollegen kurz darauf als Gemüselieferanten getarnt nach Fort Hope.

„Die Verdammten von Fort Hope“ beginnt spannend: Donovan befreit Sympathisanten der Konföderation aus einem Gefängnis der Union. Während dieser Start umgehend für ein hohes Erzähltempo sorgt, ist er doch etwas verwirrend. Bisher zeichnete sich die Frontiersmen-Serie trotz des etwas phantastischen Space-Western-Settings durch Rauheit und Realismus aus. Es wirkt etwas an den Haaren herbeigezogen, dass die Bevölkerung von Randweltplaneten es duldet, wenn Unionssoldaten regelmäßig Sympathisanten der Föderation verschwinden lassen. Selbst wenn hier jeder nur an das eigene Geschäft denkt, sollte es angesichts des Enthusiasmus für die Konföderation etwas Widerstand geben. Die Existenz des Gefängnis ist daher bereits unglaubwürdig. Völlig schräg wird es jedoch dadurch, dass die Verstärkung der Konföderation vor der Verstärkung der Union eintrifft. Wenn der Planet unter der Kontrolle der Union steht, müsste es nicht auch ein Kampfschiff in der Nähe geben? Dieser Auftakt, so spannend er auch sein mag, kann nicht wirklich überzeugen.

Das ändert sich schlagartig mit dem Umschwenken auf die Haupthandlung. Die Infiltration des Forts ist sehr gelungen. Zunächst ist das Anschleichen als Gemüsehändler sehr witzig und wird von Wes Andrews mit einer (etwas aufgesetzten) Gefühlsgeschichte angereichert. Die Crew rätselt, für welche der zwei Frauen an Bord sich John wohl interessieren mag. John wiederum möchte vor allem Problemen aus dem Weg gehen und plant daher gar keine ernsten Schritte in Richtung irgendwelcher Affären. Das sorgt für kleine Missverständnisse, die auf Dauer die Beziehungen zwischen den Charakteren an Bord anreichern dürften. Alles in allem ist dieser Auftakt der Mission deutlich gelungener als der Auftakt des Romans.

An Bord steht zunächst zu befürchten, dass sich ähnliche Muster wie im ersten Teil der Reihe abspielen. Schließlich hat man auch dort eine Station infiltriert. Hier gelingt Andrews eine angenehme Überraschung. Just als Donovan und seine Mitstreiter in der Lage dazu sind, Fort Hope in die Luft zu jagen, greift eine Peko-Flotte das System an. Hier entscheidet sich Donovan jedoch für einen merkwürdigen Weg. Anstatt Fort Hope tatsächlich in die Luft zu jagen, bläst er die Mission ab. Er glaubt, die Peko werden die Station eh vernichten. Im Rückblick rettet diese Entscheidung sein Leben, denn seine Fluchtoption ist in der Zwischenzeit im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft geflogen. Doch John konnte dies noch nicht wissen. Und ob die Peko tatsächlich Erfolg haben werden, konnte er ebenfalls noch nicht wissen. Das Abblasen der Mission scheint daher etwas voreilig, Donovan riskiert damit den Erfolg der Konföderation. Andrews lenkt aber schnell von dieser Ungereimtheit ab und konzentriert sich auf die Auseinandersetzung zwischen der Union und den Peko. Das ist wieder sehr gelungen, gibt es hier doch einen mit falschen Karten spielenden Unionsoffizier und eine schöne Möglichkeit, dass Sekoya, die Peko in Johns Crew, eine diplomatische Rolle übernimmt. Abgerundet wird die Handlung mit einem großen Feuerwerk und der Enthüllung, dass Kelly, die Allzweckwaffe in Johns Team, die Tochter eines Unionsgenerals ist. Andererseits gibt dieser Dreh Kelly einen etwas stärkeren Charakterhintergrund – so wie auch Sekoya durch die Verhandlung etwas an Statur gewinnt.

Alles in allem fällt „Die Verdammten von Fort Hope“ in Sachen Spannung und Charakteraufbau nicht hinter die beiden sehr gelungen Vorgänger zurück. Die Episode ist kaum aus der Hand zu legen und konzentriert sich diesmal stärker auf die Frauen an Bord der Wellington. Andererseits wartet die Folge anders als ihre Vorgänger mit kleinen Ungereimtheiten auf. Angesichts der überzeugenden Haupthandlung kann man jedoch darüber hinwegsehen.

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