Die Saat (von Jana Paradigi / Maddrax Band 476)

Armand Gonzales hat den Mars fest im Griff. Während die landwirtschaftliche Produktion ansteigt, beginnt sich die Bevölkerung allmählich an den neuen Diktator zu gewöhnen. Sie vergisst, dass es die einstige Präsidentin Nomi war, die die Lebensmittelkrise beendet hat. Doch es gibt auch Unruhe: Die Mutanten bilden eine immer besser organisierte Widerstandszelle und während sich Nomi zwar zurückgezogen hat, versuchen Wang’kul, Starnpazz und Quart’ol mithilfe des Zeitstrahls zur Erde zu gelangen. Dabei erwacht langsam eine uralte Stimme der Hydriten in Wang’kul.

Kurz nach Beginn des Minizyklus wechselt die Handlung mit „Die Saat“ bereits wieder auf den Mars. Angeblich wird dies für einen längeren Zeitraum der letzte Abstecher. Dabei ist die Situation auf dem Mars nun, nach einen flauen Politikthrillern, ausnahmsweise relativ spannend. Mit Gonzales hat der Mars wieder einen Diktator, der wenig von Demokratie hält. Dagegen formiert sich kaum Widerstand, erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Der Heftroman konzentriert sich ganz auf die wenigen Antagonisten Gonzales: Die Mutanten verüben kleinere Überfälle, Wang’kul und seine Freunden wollen zurück zur Erde und Nomi möchte am liebsten in Ruhe gelassen werden. Diese drei Ebenen sorgen für einen dynamischen und dicht erzählten Roman.

Letztlich passiert in die Saat aber doch zu wenig. Auf der einen Seite erhalten die Mutanten ihre eigene Stadt, was ihr erklärtes Ziel war. Das erscheint aber unglaublich naiv. Sie erpressen sich ihre Unabhängigkeit, haben im Anschluss jedoch keine Druckmittel mehr in der Hand, sollte sich Gonzales dazu entscheiden, gegen die Mutanten vorzugehen. Eine Art Bürgerkrieg erscheint vorprogrammiert. Starnpazz und Quart’ol schaffen es auf die Erde. Was sie dort erwartet, ist unklar. Wang’kul beginnt Stimmen zu hören, folgt ihnen und bleibt erst einmal auf dem Mars. Und Nomi und Nachtstimme scheinen am Ende verhaftet zu werden. Letztlich sind alle Ereignisse des Romans also Zwischenstationen. Das liest sich unterhaltsam, lässt aber vieles offen.

Tatsächlich hat man bereits ab der Hälfte der Erzählung das Gefühl, hier werden hauptsächlich Wegsteine für die Zukunft gesetzt. Zwar ist die Handlung teilweise spannend – im Kern geht es um die Infiltration der von Gonzales abgeschirmten Anlage der einst auf dem Mars lebenden Hydriten – aber es fehlt an einem wirklichen Höhepunkt. Dafür hätte es einige gegeben. Wang’kul findet zum Beispiel heraus, dass er über ungeahnte Macht verfügt. Nomi sieht sich mit Gonzales Sohn wieder konfrontiert, für den sie einst Gefühle entwickelt hatte und der sie anschließend doch verraten hatte. Diese zwei Szenen sind die interessantesten Aspekte der Story, gehen aber neben den Mutanten und Gonzales Tobsucht leider etwas unter.

„Die Saat“ präsentiert eine ordentliche Erzählung des Widerstands auf dem Mars. Hier wird viel Potenzial für weitere Folgen geschaffen, während die Möglichkeiten der Geschichte in diesem Band nicht ausgenutzt werden.

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