Armageddon (von Manfred Weinland / Bad Earth Band 1)

Im Jahr 2005 habe ich begonnen, Heftromane zu lesen. Eingestiegen bin ich mit der 2012 eingestellten Science Fiction Serie „Sternenfaust“. Der Beginn dieser Bastei-Serie wurde von vielen Lesern dadurch überschattet, dass sie eine hochgelobte aber aufgrund schwacher Lesezahlen abgesetzte Vorgängerserie ersetzte: „Bad Earth“ . Im Dezember des vergangenen Jahres entschied sich der Bastei-Lübbe-Verlag, diese Serie digital wieder zugänglich zu machen. Mittlerweile sind bereits über 20 der ursprünglich 50 Episoden online verfügbar. Auf diesem Blog bespreche ich ca. monatlich eine Episode.

Die erste Marslandung der Menschheit ist ein Desaster. Nathan Cloud und die gesamte Besatzung der Mission sterben. 22 Jahre später ist eine zweite Mission auf dem Weg zum Mars. John Cloud, der Sohn Nathans, führt die Besatzung der RUBIKON an. Diesmal sind die Menschen bewaffnet und darauf vorbereitet, auf einen möglicherweise bewaffneten Find zu stoßen. Daher befinden sich auf der RUBIKON auch mehrere Klone, die extra dafür ausgebildet und gezüchtet wurden, im All und auf dem Mars zu kämpfen. Kurz bevor die RUBIKON den Mars erreicht, wird das Sonnensystem von einer merkwürdigen Schwärze getroffen. Alle technischen Geräte fallen aus. Das sorgt auf der Erde für Chaos und viele Tote. Kurz darauf verändert sich der Jupiter: Er verwandelt sich in ein schwarzes Loch aus dem Raumschiffe austreten. Die Erde scheint kurz vor einer Invasion zu stehen.

„Aramageddon“ nutzt das enge Format eines Heftromans gänzlich aus. Die Handlung ist ausgesprochen dicht: Der Leser erlebt die erste Marsmission, lernt die Crew der RUBIKON kennen, beobachtet die Alien-Invasion aus der Perspektive der US-Präsidentin und erhalten zudem allerlei Andeutungen um geheime und ethisch nicht ganz einwandfreie Geheimdienstprogramme. Das sorgt für ein hohes Erzähltempo und angesichts der unklaren Motive der Aliens (und einiger US-Dienste) für viel Spannung. Der Hauptteil der Story wird jedoch von der US-Präsidentin und ihren Beratern sowie von John Cloud und seinen (Klon)Kollegen an Bord der RUBIKON getragen.

Das hat den Nachteil, dass die Konzentration auf einen Handlungsstrang es unmöglich macht, John und die Besatzung der RUBIKON wirklich kennenzulernen. Natürlich kann man Johns Trauma verstehen. Er musste als Kind aus der Ferne beobachten, wie sein Vater bei der ersten Marsmission umkam. Daher sinnt er nun auf Rache. Das ist verständlich. Seine negative Einstellung zu Klonen ist nicht ganz so verständlich. Hier hätte mehr Raum für die Protagonisten es einfacher gemacht, sich mit John und seinen Begleitern zu identifizieren.

Auf der anderen Seite bietet diese Dichte viele Vorteile. Sie erhöht nicht nur das Tempo, sondern erlaubt es Weinland, sowohl eine spannende Geschichte zu Erzählung als auch die Grundlage für viele weitere Erzählungen zu legen. „Armageddon“ bietet für sich ein interessantes Invasionsszenario, indem die Menschheit auf einen unerwarteten und totalen Stromausfall reagieren  und auf Unbekannte Aliens reagieren muss. Am Ende ist die Menschheit umzingelt von möglicherweise feindlichen Aliens und nur John und der Besatzung der RUBIKON gelingt es, durch das Wurmloch mit dem die Aliens im Sonnensystem angekommen sind zu fliegen. Damit sind sie erst einmal aus deren direkten Einfluss entkommen. Wenn sich die Aliens als feindlich herausstellen, könnte die RUBIKON-Besatzung die einzige Hoffnung der Menschheit werden.

Somit bleiben viele Fragen für die kommenden Bände offen. Was wollen die Aliens? Warum kam es zu einem plötzlich verordneten Machtwechsel auf der RUBIKON? Was planen die Geheimdienste auf der Erde? Und was erwartet die RUBIKON-Besatzung auf der anderen Seite des Wurmlochs? Obwohl diese Handlungsstränge vermutlich die Grundlage für die übergreifende Handlung der Serie legen, wirken sie angenehm natürlich. „Armageddon“ macht nicht den Eindruck, bloß plumpe Bausteine auszubreiten, mit denen andere Autoren später weiterspielen können. Stattdessen nimmt es den Leser auf eine spannende Tour de Force einer Alieninvasion mit. Dieses Startszenario ist spannend und macht damit Lust auf mehr. Wenn die Folgebände das Tempo und die Handlungsdichte dieses überzeugenden Auftaktbandes halten können, ist die Serie tatsächlich so gut wie ihr Ruf.

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