What’s Past is Prologue (Star Trek: Discovery)

Captain Lorca hat sich als Bösewicht entpuppt: Er ist keineswegs der unorthodoxe Sternenflottenoffizier, sondern ein Besucher aus dem Spiegeluniversum. Hierhin zurückgekehrt, versucht er Imperatorin Georgiou zu stürzen. Michael Burnham muss ihn aufhalten: Geht es ihr zunächst „nur“ darum, die Discovery zu retten, steht bald das Überleben aller Dimensionen auf dem Spiel.

„What’s Past is Prologue“ schließt den Handlungsstrang im Spiegeluniversum ab. Die Episode führt den Cliffhanger der vorherigen Episode konsequent weiter. Lorca stellt sich als Anführer einer Rebellion gegen die Imperatorin heraus. Er hat die Discovery im Krieg gegen die Klingonen nur dafür benutzt, wieder in seine Dimension zurückzugelangen. Sein Plan funktioniert gut und sorgt für sehr, sehr viel Action in dieser Episode.

Das ist zwar kurzweilig, bietet jedoch keine Möglichkeit, die Charaktere des Spiegeluniversums näher zu beleuchten. Hier bleiben alle Protagonisten böse und finden in der Regel ein ziemlich plötzliches Ende. Das ist schade, schließlich bietet das Spiegeluniversum immer die Möglichkeit, mehr über Charaktere zu lernen, indem sie mit sich selbst konfrontiert werden. Das bleibt hier (fast) völlig aus. Insofern schaut man hier einer Reihe schlichter Typen dabei zu, wie sie sich bildreich massakrieren.

Um dies etwas spannender zu machen, schöpfen die Drehbuchautoren im Hintergrund aus dem Vollen. Auch im Spiegeluniversum experimentierten Menschen mit Sporen. Allerdings ging man dabei deutlich skrupelloser vor und achtete wenig darauf, das Sporennetzwerk nicht zu gefährden. Stamets prophezeit daher, dass das Terranische Imperium über kurz oder lang das Netzwerk zerstören wird. Dadurch werden alle (!) Sporen in allen (!!) Dimensionen absterben und somit jegliches (!!!) Leben im gesamten (!!!!) Multiversum auslöschen. Die Imperatorin, Michael, die Discovery oder gar die Föderation sind also nicht genug, sondern „lediglich“ um Leben überall und in jeder denkbaren Dimension. Das ist übertrieben und einfallslos.

Schöner wäre es gewesen, wenn man „What’s Past is Prologue“ eine anständige eigenständige Handlung gegönnt hätte. Dabei hätte man z.B. die Charaktere etwas stärken können. Gerade in der Begegnung zwischen Michael und Georgiou liegt viel Potenzial. Selbiges gilt für Lorca, der bis zum Eintritt in das Spiegeluniversum einen sehr vielschichtigen Eindruck gemacht hat. In „What’s Past is Prologue“ verwandelt er sich jedoch innerhalb weniger Minuten in eine Karikatur. Das ist eine verpasste Chance.

Abgesehen davon, dass die Handlung trotz der fehlenden Tiefe relative kurzweilig ist, überzeugt nur die Konsequenz der Handlung. Anders als im Vorgänger verliert sich „What’s Past is Prologue“ nicht in vielen, kleinen Nebensträngen. Außerdem kulminiert die Episode konsequent in einem Cliffhanger, in dem die Klingonen den Krieg gegen die Föderation gewonnen haben. Das bietet auf der einen Seite das Potenzial für eine überzeugende Fortsetzung. Auf der anderen Seite ist dieser Handlungstrick symptomatisch für die zweite Hälfte der ersten Staffel: Er wirkt wie jedes Ereignis im Spiegeluniversum überkonstruiert. „Discovery“ läuft dadurch Gefahr in der wilden Hektik der sich ständig überschlagenden Ereignisse zu vergessen, dass eine Serie auch etwas Ruhe braucht, um vielschichtige Geschichten zu erzählen und Charaktere aufzubauen.

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