The Great Silence (von Ted Chiang)

Auf Puerto Rico befindet sich das größte Radioteleskop der Welt. Hier sendet die Menschheit Botschaften ins All, um mit Außerirdischen in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig funktioniert das Teleskop als Abhörstation, um mögliche Antworten aufzuzeichnen. Im selben Gebiet leben zudem die letzten Exemplare einer vom Aussterben bedrohte Papageienart. In Ted Chiangs Kurzgeschichte „The Great Silence“ richten die letzten Exemplare eine Botschaft an die Menschheit – in der Hoffnung, dass das Teleskop sie aufnimmt.

Die knappe Kurzgeschichte thematisiert einen interessanten Widerspruch: Auf der einen Seite schaut die Menschheit in die Ferne und sucht dort nach dem Neuen und Unbekannten. Gleichzeitig stirbt direkt neben dem Teleskop, dass nach neuen Arten sucht eine Tierart aus, die in der Lage dazu ist, sich bis zu einem gewissen Grade mit Menschen zu unterhalten. Chiang geht hier von der Annahme aus, dass es sich bei den Papageien um intelligente Wesen handeln. Sie reflektieren über diesen Widerspruch. Sie zeigen dabei großes Verständnis für die Theorie, dass  Außerirdische sich vor einer möglichen Entdeckung tarnen – schließlich hat die Entdeckung ihrer Art durch die Menschheit in erster Linie zum Aussterben der Papageienart geführt.

Interessanter als dieser naheliegende Widerspruch zwischen dem Streben in den Weltraum und der Vernachlässigung der irdischen Umwelt, sind die Gedanken der Papageien über den Dualismus von Senden und Empfangen von Nachrichten. Das Teleskop versucht Außerirdische zu kontaktieren und gleichzeitig Antworten abzufangen. Insofern versuchen auch die Papageien ihre Nachricht abzusetzen. Allerdings gelingt diese Art der Kommunikation nur, wenn das Gegenüber auch aufmerksam zuhört bzw. weiß, worauf es achten muss. Das ist im Fall der Papageien nicht der Fall. Obwohl die Puerto Ricanischen Papageien über eine eigene Sprache, Mystik und Gesellschaft verfügen, sind die Menschen blind für diese Vorgänge. Die Art wird aussterben, bevor die Menschheit ihre Sprache überhaupt nur entschlüsseln kann. Selbiges kann durchaus im Falle der Kommunikation mit Außerirdischen vorkommen.

Beide Erkenntnis rechtfertigen die vierseitige Kurzgeschichte, überzeugen aber vor allem durch den versöhnlichen Ton der Papageien. Hier spricht jemand, der die Menschheit beobachtet und schätzen gelernt hat. Die Erzählstimme ist sich darüber bewusst, dass kein bewusster Wille ausgerechnet die Papageien auslöscht, sondern dass dies ein Nebenprodukt einer unaufmerksamen menschlichen Entwicklung ist. Die aufrechten guten Wünsche der Papageien kurz vor ihrem Aussterben geben dieser Erzählung in Verbindung mit den beiden nachdenklichen Elementen eine spezielle Atmosphäre, die nach der Lektüre der Geschichte nachwirkt.

Die Kurzgeschichte „The Great Silence“ ist 2015 im „e-flux journal“ erschienen. Sie entstand als Teil einer Kunstinstallation mit Bildern des Teleskop sowie der Papageien. Sie ist außerdem ein Beitrag in der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2016“, herausgegeben von Karen Joy Fowler und John Joseph Adam.

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