Asterix in Italien (von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad)

Die Straßen Roms sind in einem schrecklichen Zustand und bieten nichts außer endlose Schlaglöcher. Es bedarf einer Imagekampagne, um einen Imageschaden zu vermeiden. Senator Bifidus, verantwortlich für den Straßenbau, schlägt daher ein Wagenrennen vor, an dem alle Völker teilnehmen können. Die Idee wird angenommen. Bald drängt Cäsar darauf, dass bei dem Wagenrennen nur einer gewinnen darf: der römische Teilnehmer. Das sehen Asterix und Obelix, die ebenfalls an dem Rennen teilnehmen natürlich ganz anders.

Verschiedene Fraktionen nehmen an dem Wagenrennen durch Italien teil. Das bietet die Möglichkeit, viele auf Stereotypen basierende Witze in dem Album unterzubringen. Das Wiedersehen mit Briten, Normannen und anderen Charakteren sind teilweise sehr gut gelungen. Allerdings wäre es schöner gewesen, tatsächlich bekannte Charaktere in das Album einzubinden und damit eine Art Asterix-Familientour durch Italien zu kreieren, anstatt nur die bekannten Stereotypen im Album auftauchen zu lassen.

Bekannte Charaktere, mit denen man mitfiebert, hätten dem 37. Album nämlich einen Sinn gegeben, die ihm so fehlt. Zunächst einmal ist der Gegner unserer Helden unklar. Ist es der bürokratische, der Vetternwirtschaft und Orgien frönende Senator? Oder ist es der mysteriöse, betrügende anonyme Rennfahrer? Vielleicht ist es aber auch Cäsar selbst? Bis kurz vorm Schluss wird diese Frage nicht geklärt, wodurch die Handlung vor sich hin rennt, ohne das aber groß Spannung aufkommt. Denn dafür bedürfte es irgendeiner Art von Fallhöhe. Hier ist jedoch niemand direkt bedroht, noch wird dem Leser klar, worum es eigentlich wirklich geht.

Diese Schwäche versuchen Zeichner und Texter mit vielen Witzen auszugleichen. Das gelingt ordentlich und natürlich dreht sich dabei alles ums Essen, italienische Politik und vor allem regionale Unterschiede. Daraus entstehen meistens nette Anspielungen und amüsante Begegnungen Obelix mit der feinen italienischen Küche (am Ende reiben die noch Käse!). Allerdings scheinen die Autoren das Bedürfnis zu haben, ihren Lesern die kulinarische Geschichte Italiens so umfänglich wie möglich zu vermitteln; so gibt es mehrfach direkte Erklärungen der kulinarischen Witze in Fußnoten. Die vielen, eigentlich gelungeneren Witze über verschiedene Widerstandsbewegungen gegen die römischen Herren in Italien wiederum werden kaum erklärt und auch in die Handlung nicht eingebunden. Dabei läge hier das erzählerische Potenzial des Albums (und theoretisch auch ein größeres Witzpotential). So erscheinen die Essenswitze zu plumb und die regionalen Unterschiede zu subtil.

Ohne eine konsequente Story und mit den vielen (teilweise durchaus kurzweiligen) Ortswechseln fehlt „Asterix in Italien“ die klare Linie, die die beiden Vorgänger des Duos Ferri & Conrad auszeichneten. Das Album endet zwar mit einer gelungenen, versöhnlich stimmenden Schlusspointe, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass der 37. Asterix-Band zwar Witze im Stakkato-Takt reißt, substanziell jedoch nicht viel zu bieten hat.

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