Choose your Pain (Star Trek: Discovery)

Captain Lorca gerät in klingonische Gefangenschaft. Sein Stellvertreter, Saru, ist entschlossen, ihn zu befreien. Dafür benötigt er jedoch den neuartigen Sporenantrieb der Discovery. Da passt es sehr ungünstig, dass Michael Burnham just zu diesem Zeitpunkt entdeckt, wie sehr der Antrieb die zur Navigation notwendige Kreatur schädigt. Die Crew der Discovery steht vor der Wahl, das Wohl des Captains über das Tierwohl zu stellen. Zum Erfolg entschlossen, befiehlt Saru, den Sporenantrieb wieder zu aktivieren – auch unter dem Risiko, dass das Tier nicht überlebt und die Discovery im klingonischen Raum strandet.

Auch die fünfte Episode der neuen „Star Trek“-Serie „Discovery“ überzeugt auf den ersten Blick. „Choose your Pain“ bietet eine gelungene Mischung aus Action und Charakterkonflikten. Sowohl die Entführung Lorcas als auch seine Flucht von einem klingonischen Raumschiff sind sehr schnell und unterhaltsam inszeniert. Auf der Discovery gelingt es, den Konflikt zwischen Burnham und Saru als glaubwürdig darzustellen. Das ist alles andere als einfach, schließlich haben die beiden lange auf dem selben Raumschiff gedient. Doch die Verbissenheit Sarus wird hier gekonnt aufgeschlüsselt, sein Abweichen vom moralischen Kompass der Sternenflotte erscheint plausibel. Denn der sonst so Risiko-scheue Kelpien geht mit dem Einsatz des Sporenantrieb ein enormes Risiko ein. Immerhin kann die Discovery ohne den neuartigen Antrieb nicht vor den Klingonen fliehen. Dieser Mix  aus Action und Charakterhandlung unterhält von Anfang bis Ende und sieht sehr gut aus.

Allerdings basiert auch diese Episode wieder auf fragwürdigen Prämissen. Man muss der Serie zugute halten, dass die zunächst absurd erscheinende Handlung um die als Ripper titulierte und den Sporenantrieb lenkende Kreatur in dieser Folge durchaus gelungen abgeschlossen wird. Das war am Ende der dritten Folge nicht abzusehen. Dafür wirft „Choose your Pain“ andere Fragen auf: Warum benutzt Lorca überhaupt einen Shuttle, um zu einer Konferenz zu fliegen? Das hätte man sowohl mit der Discovery als auch mit einer Holoübertragung viel einfacher schaffen können. Und wenn der Generalstab der Sternenflotte – hoffentlich – nicht an der Front tagt, wie können die Klingonen so tief in das Föderationsgebiet eindringen? In Gefangenschaft trifft Lorca auf einen Kriegsgefangenen der Sternenflotte (Ash Tyler, ein weiteres Crewmitglied auf der Discovery) sowie auf den aus der Originalserie bekannten Mudd. Hier wird eine abenteuerliche Geschichte darüber verbreitet, dass Captain Lorca seine eigenen Crew vor den Klingonen „gerettet“ hat, indem er sie aus der sicheren Distanz eines Shuttles in die Luft gejagt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Captain nach dieser Tat ein weiteres Kommando erhält, dürfte äußerst gering sein. Die Klingonen scheinen außerdem kaum daran interessiert, Lorca sofort zu verhören. Angesichts der Verluste, die sie durch die Discovery erleiden, ist das mehr als verwunderlich. Stattdessen gelingt es Lorca und Tyler überraschend einfach, von dem Klingonenschiff zu fliegen.

Ein Teil dieser Merkwürdigkeiten dient der Story (z.B. kann es durchaus im Sinne der Klingonen sein, den Sternenflottencaptain entkommen zu lassen – Internetgerüchte gehen davon aus, dass es sich bei Ash Tyler um einen Spion handelt). Andere Aspekte, wie zum Beispiel die Entführung zu Beginn der Episode sind hingegen äußerst ärgerlich. Denn dadurch erscheint die Handlung überkonstruiert. Das wird durch eine unglückliche Startsequenz, in der drei Discovey-Mitglieder einander die Funktionsweise des Sporenantriebs erklären noch verstärkt. Denn jeder dieser drei Charaktere weiß selbst ganz genau, wie das Gerät funktioniert. Diese ersten Szenen schwächen die ansonsten sehr gelungene Episode. „Star Trek: Discovery“ weiß nach fünf Folgen somit weiterhin gut zu unterhalten, leidet aber noch immer unter leichten Widersprüchen und Handlungsaufbauschwächen.

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