Wonder Woman

Diana wächst als Prinzessin auf der Amazoneninsel Themyscira auf. Hier flohen die Amazonen einst nach einer gewaltigen Schlacht zwischen dem Göttervater Zeus und dem Kriegsgott Ares. Sie haben weiterhin die Mission, die Menschheit vor Ares – sollte er irgendwann zurückkehren – zu schützen. Gegen den Widerstand ihrer Mutter beginnt Diana ihre militärische Ausbildung. Das kommt ihr zugute als sie eines Tages den britischen Piloten Steve Trevor, der über der Insel abstürzt, rettet. Konfrontiert mit den Trevor folgenden Deutschen, erkennt Diana, dass Ares am ersten Weltkrieg Schuld sein muss. Als sie sein Wirken zudem hinter einer neuen, gefährlichen Gasmischung entdeckt, entscheidet sie sich, einzugreifen. Sie begleitet Trevor in die Welt der Männer, um Ares dort den Garaus zu machen.

„Wonder Woman“ ist ein Superheldenfilm, der die Herkunft seiner Protagonistin erst einmal beschreiben muss. Das führt zu einer langen Einleitung auf der Amazoneninsel Themyscira. Das ist optisch beeindruckend, wirkt jedoch an vielen Stellen kühl. Das ist gewollt, sind die Amazonen doch ein mystisches Volk mit vielen (vermeintlichen) Legenden. Dennoch erscheint dieser Beginn, in dem immer wieder auf ein Geheimnis um Diana verwiesen wird, distanziert. Das baut Spannung, aber wenig Sympathien auf.

Der Film nimmt in dem Moment Fahrt auf, an dem sich Diana gegen ihre Mutter stellt und die Insel verlassen möchte. Sie ist getrieben von brennendem Mitgefühl, das die Amazonen, die einst die Menschheit gegen Ares verteidigten nicht mehr teilen können. Ab diesem Moment geht der Film – der von misshandelten Zivilisten, verletzten Soldaten in Schützengräben und großen Gasangriffen wenige dunkle Themen des ersten Weltkrieges ausspart – eine gelungene Symbiose mit leichten Humorelementen ein.

Vor allem im mittleren Teil der Handlung, in denen Diana mit der menschlichen Gesellschaft konfrontiert wird und gleichzeitig am Liebsten sofort Ares stellen möchte, ist eine gelungene Mischung aus ernsten Szenen und funktionierendem Humor. Dies ist auch der Moment, indem das Kernteam an Charakteren im Film zusammengestellt wird, Sympathien aufgebaut werden und Diana (und die Männer um sie herum) langsam aber sicher ihre Fähigkeiten als „Wonder Woman“ kennenlernt. Dieser Abschnitt gipfelt in den Schützengräben der Westfront, in denen eine Übersprungshandlung Dianas die entscheidende Wendung der Handlung sowie ihrer Entwicklung zu Wonder Woman einleiten.

Mit dem von den Antagonisten geplanten, vernichtenden Gasangriff ist das Bedrohungsszenario relativ radikal: Über kurz oder lang würde sich die Menschheit so selbst auslöschen. Letztlich versteckt sich Ares (erwartungsgemäß) nicht dort, wo Diana ihn vermutet. Das ist für einen kleinen Überraschungseffekt verständlich, letztlich aber schade: Denn dadurch bleibt das vorhandene Potenzial zweier weiterer Antagonisten ungenutzt.

Trotzdem endet das Finale des Films nicht in reiner Effekthascherei: Zwar fliegen in der Konfrontation zwischen Diana und Ares viele Dinge durch die Luft, letztlich geht es aber um die Frage, ob die von ihren Illusionen befreite Diana weiterhin bereit ist eine fehlerhafte Menschheit zu verteidigen oder nicht. Hier kommt den von ihr geschlossenen Freundschaften eine zentrale und teilweise tragische Rolle zu. Das mündet in einer Lebensweisheit, die Wonder Woman auch in unserer Zeit noch die Kraft gibt, sich für das gute einzusetzen. Die Worte wirken aus Wonder Womans Mund zum Abschluss ein wenig kitschig, fassen die Handlung des Films aber sehr überzeugend zusammen.

„Wonder Woman“ ist damit ein sehr stimmige, angesichts des Themas spannend-düsterer und dennoch immer unterhaltsamer Action-Film, der Spaß macht und dennoch die Leiden des ersten Weltkrieges eindringlich darstellt. Für Wonder Woman bedeutet das nach „Batman vs Superman“ einen gelungenen ersten Solo-Film, der den Charakter unterhaltsam in das derzeitige DC-Universum einführt und dem Charakter gleichzeitig die Tiefe verleiht, um ihn auch für weitere Filme sehr interessant zu machen.

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