Meet me in Iram (von Sifua Sanatar)

Iram ist eine laut der deutschen Wikipedia im Koran erwähnte verschollene Stadt, die in einem Roman des britischen Weltenbummlers Ranulph Fiennes als „Atlantis des Sandes“ bezeichnet wurde. Im Gegensatz zum Atlantis-Eintrag, hält sich die weltweit umfangreichste Enzyklopädie bei Iram jedoch deutlich zurück. Dies ist eines der Handlungselemente in Sifua Sanatars Kurzgeschichte „Meet me in Iram“.

Die Kurzgeschichte bietet einen Einblick in Iram aus den Augen einer Besucherin, die in der Stadt einem Mittagessen mit ihrem Vater und Onkel beiwohnt. Die Familie kommt aus Somalia oder zumindest aus der Nähe des Landes. Das Mittagessen ist lediglich eine Erinnerung, zu dem Zeitpunkt zu dem sich der/die Erzählerin befindet, lebt der Onkel bereits nicht mehr. Während der Erinnerung werden immer wieder Zitate aus dem Koran, der Encyclopaedia Britannica und dem englischen Wikipedia-Eintrag zu Iram eingestreut. Letzterer steht dauerhaft unter Bearbeitung: wichtige Quellen fehlen.

„Meet me in Iram“ weist viele Andeutungen auf die Erzählerin und ihre Familie auf. Doch letztlich bleibt in dieser Geschichte alles offen: Der Hintergrund des womöglich für die CIA arbeitenden Vaters, der Tod des Onkels, der Grund des Konfliktes zwischen den beiden und – als Teil einer Science Fiction und Fantasy-Anthologie – auch die eigentliche Rolle die Iram für die Familie beziehungsweise die Erzählerin spielt. Klar ist nur, dass trotz der Probleme außerhalb der Stadt, Iram selbst ein friedlicher, offener und toleranter Ort ist. Iram bleibt daher für den Leser „nur“ als Projektionsfläche: eine Stadt, die verschiedenen Sprachen und Menschen aus Krisen geplagten Regionen eine Heimstatt bietet, in der echten Welt jedoch verschollen ist. Als spekulative Geschichte drängt sich dadurch die Frage auf: Wird diese Stadt verschollen bleiben?

Die Kurzgeschichte „Meet me in Iram“ ist 2015 in Meet me in Iram / Those are Pearls erschienen. Sie ist außerdem Teil der Anthologie „The Best American Science Fiction and Fantasy 2016“, herausgegeben von Karen Joy Fowler und John Joseph Adam.

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