Die Legende (von Jana Paradigi)

mx-436Matt und Aruula scheinen auf dem Mond Aquus festzusitzen. Die Portale, mit deren Hilfe sie einst ankamen, sind stillgelegt. Ihr neuer Freund Bart’ol hat jedoch eine Idee. Eine alte Legende besagt, dass die auf Aquus angekommenen Hydree nicht alle ihre Raumschiffe in Wohnbehausungen umgewandelt haben. Einer ihrer größten Wissenschaftler ist stattdessen mit einem der Schiffe   verschwunden, um sich ganz seinen Forschungen zu widmen. Obwohl die jahrhundertealte Geschichte sehr unwahrscheinlich wirkt, machen sich Matt und Aruula auf den Weg, das Schiff zu finden. Dabei kommen sie dem Anführer der Hydree Kriegerkaste Mav’bud in die Quere, der an dem Ort des Schiffes längst genetische Experimente durchführt.

Mit einem detailliert beschriebenen Besuch Bart’ols im Archiv der Hydree beginnt „Die Legende“ sehr gut. Die Atmosphäre der vergessenen Dokumente und ihrer Wächter ist sehr gut eingefangen. Paradigi gelingt es, die Atmosphäre des Wasserplaneten Aquus genau so gut zu treffen. Die Reise der Gefährten von der Hauptstadt der Hydree zu dem verloren geglaubten Schiff und vor allem die auf der Strecke wartenden Gefahren sind spannend und lebendig beschrieben. Aquus bildet damit wieder einmal ein überzeugendes Fundament für die Handlung des Heftromans.

Unklarer ist hingegen, warum Mav’bud innerhalb der Hydree solch eine starke Stellung einnehmen kann. Seine Krieger sind loyal zu ihm, doch im Rat sind sie kaum vertreten. Gleichzeitig scheint Mav’bud selbst Zugang zu den geheimen Archiven der Hydree gehabt zu haben. Immerhin ist er über den Ort des Schiffes sowie die dazugehörige Insel bereits informiert und führt dort seine Experimente durch. Dies erscheint etwas willkürlich. Dies überträgt sich leider auch auf die Konfrontation zwischen den Polatai und den Hydree. Eigentlich ist das Kampfszenario sehr spannend. Doch es erscheint unglaubwürdig, dass Mav’bud so viele Krieger aus der Hauptstadt der Hydree abziehen konnte, ohne dass es jemandem (oder ihren Familien) auffällt. Die Hydree müssten schon ein extremes Kastensystem haben, damit dies funktioniert.

Deutlich überzeugender sind hingegen Paradigis Rückblenden. Schlechte Heftromane verwenden gerne den Großteil einer Erzählung für Rückblenden. Paradigi setzt diese wiederum pointiert ein und behält immer den Bezug zur Gegenwart. Das ist sehr überzeugend und sorgt für den gelungenen Auftritt einer unerwarteten dritten Kraft in der Auseinandersetzung zwischen den Polatai und den Hydree. Genau so gelungen ist, dass der Anführer der Hydree, Hash’rol, diesmal keine getriebene Kraft ist, sondern Mav’bud proaktiv überwachen lässt. Der Moment, indem er dem Kriegerkastenfürsten das Handwerk legt, ist der Höhepunkt dieses Heftes.

Leider ist das Ende etwas schwächer ausgeprägt. Zunächst einmal wirkt Hash’rols Ermordung dümmlich: Warum hält man sich an einem Ort auf, an dem jederzeit Polatai erscheinen können (und wie konnten sich die Polatai überhaupt nähern?). Zweitens ist es albern, dass Hash’rol zwar Misstrauen gegenüber Mav’bud hegte, aber dessen Anhänger so unterschätzte, dass diese ihren Fürsten bei der erstbesten Gelegenheit wieder befreien. Der Cliffhanger – Mav’bud ist wieder Herr über seine loyalen Kriegerscharen und kann seine Experimente fortsetzen und sich möglicherweise sogar zum Diktator der Hydree aufschwingen – hebt zwar das Spannungsniveau, macht inhaltlich aber wenig Sinn.

Trotz dieses etwas ärgerlichen Endes und dem insgesamt ambivalent geschilderten, mal schwach-dümmlichen und mal cleveren Charakter Mav’buds ist „Die Legende“ aufgrund der überzeugenden Atmosphäre, der dichten, mit Rückblenden gespickten Handlung und dem immerhin spannenden Cliffhanger eine unterhaltsame Episode.

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