Star Trek Beyond

Es ist das dritte Jahr der fünfjährigen Forschungsmission der Enterprise. Die Crew hat gut zusammengearbeitet, doch es machen sich Erschöpfungserscheinungen breit. Captain Kirk überlegt, sich auf einen Büroposten versetzen zu lassen; Spock liebäugelt mit der Idee auf Vulkan II beim Wiederaufbau der vulkanischen Zivilisation zu helfen. Nach einer gescheiterten diplomatischen Mission macht die Enterprise an der Föderationsstation Yorktown halt. Kurz nachdem sie an diesem faszinierenden Menetekel unterschiedlicher Kulturen angekommen sind, erreicht ein Hilferuf die Yorktown. Hinter einem benachbarten Nebel ist ein Forschungsschiff einer unbekannten Zivilisation auf einem Planeten abgestürzt. Umgehend macht sich die Enterprise und ihre Besatzung auf den Weg in den Nebel, um die Besatzung des Schiffes zu retten. Dort angekommen gerät die Enterprise jedoch in einen Hinterhalt. Tausende kleine Schiffe greifen das Flaggschiff der Sternenflotte an, die Enterprise stürzt über dem Planeten Altamit ab. Der Großteil der Crew wird von dem mysteriösen Krall gefangen genommen, der auf der Suche nach einem Teil einer mächtigen Waffe ist. Doch ein Teil der Brückenbesatzung, darunter Kirk, Spock, McCoy, Chekov und Scotty können sich einer Gefangennahme entziehen. Gemeinsam müssen sie herausfinden, was es mit Krall auf sich hat und wie sie ihre Crew wieder zusammenbringen können.

„Star Trek Beyond“ besticht vor allem durch seine gute Stimmung. Trotz des Ernst der Lage – die Enterprise wird schließlich relativ frühzeitig im Film komplett zerschossen – verliert sich der Film nicht in einer pessimistischen Stimme. Kirk und Co haben immer einen schmissigen Spruch auf Lager und halten sich mit viel Zweckoptimismus über Wasser. Geschickt dreht der Film den Spieß langsam um und aus Gejagten werden allmählich Jägern. In typischer „Star Trek“-Manier gelingt dies vor allem durch die pfiffige Anwendung begrenzt verfügbarer technischer Hilfsmittel. Das mag vor allem im Finale etwas überzogen wirken, spiegelt aber durchaus den Geist vieler „Star Trek“-Episoden wieder, in denen der Gegner in der Regel durch präzises Überlegen als durch physische Übermacht überwunden wurde.

Der Initiator für die Haupthandlung ist ebenfalls „Star Trek“-typisch. In einer unerforschten Gegend ist ein Schiff in Not und die Enterprise-Besatzung zögert keine Sekunde, sich auf eine Rettungsmission zu begeben. Es ist selbstverständlich, dass sich die Crew im Zweifel in Gefahr begibt, um Fremde zu retten. Sowieso betont der Film die Friedensbotschaft der Serie, dass unterschiedliche Völker mit ihren unterschiedlichen Traditionen gut zusammenleben können, wenn sie solidarisch untereinander sind, immer wieder. Das diese Kernbotschaft der Serie betont wird, ist gerade angesichts der immer schärferen und auf Abgrenzung bedachten politischen Debatten in der Welt sehr angenehm.

Dem Film gelingt es zudem, jedem Hauptcharakter eine anständige Szene zu ermöglichen. Dabei werden die Reboot-Charaktere sachte weiterentwickelt. Diese Handlungsbögen werden geschickt im Hintergrund der Haupthandlung weiterentwickelt, z.B. werden Spocks und Uhuras Beziehungsprobleme vor allem in Gesten verarbeitet. Abgerundet wird dieser gute Eindruck mit einem genau so guten Humor vor allem McCoys, und einer bewegenden Verbeugung vor der Originalbesatzung am Ende des Films.

Scotty trifft auf Altamit Jaylah, die sich aus Kralls Gefangenschaft befreien konnte. Dieser neue Charakter fügt sich sehr gut in die Dynamik der Brückenbesatzung ein und wird während des ganzen Filmes auf Augenhöhe in das Team eingebaut. Das funktioniert, anders als die etwas holprigen Szenen im Trailer vermuten ließen, überraschend gut.

Allerdings bleibt über lange Zeit unklar, gegen was und warum die Enterprise-Besatzung kämpft. Über Krall erfährt man bis zum Ende nichts. Dadurch wirkt der Gegner zwar gefährlich, aber auch entrückt. Dabei hätte Krall durchaus Potential: Er stellt sich als der Captain eines verschollenen Sternenflottenschiffes heraus. Als einstiger General unter anderem im Xindi-Krieg stand er der friedlichen Botschaft der Föderation kritisch gegenüber, macht die Föderation für die fehlende Hilfe nach einem Schiffsunfall, der sein Schiff hinter den Nebel teleportierte, verantwortlich und möchte nun Rache üben und die „Illusion“ einer friedlichen Gemeinschaft zerstören. Gerade angesichts der immer lauter werdenden Stimmen von Kriegstreibern und Nationalisten ist dies ein durchaus interessanter Gegenspieler. Dass sein Handeln und die Nadelstichtaktik seiner kleinen Raumschiffe zudem enorm an terroristische Akte erinnern, gibt „Star Trek Beyond“ – sofern es im Rahmen eines Hollywood Mainstreamfilmes möglich ist – eine weitere deutliche Parallele auf die heutige Zeit – und wie die Enterprise-Besatzung damit umgeht. Gerade angesichts dieser Parallelen ist es schade, dass die Enthüllung der wahren Motivation erst so spät erfolgt.

Die größte Schwäche des Films ist wohl der Widerspruch zwischen Kralls Fähigkeit, eine fatale Attacke auf die Föderation jahrzehntelang minutiös zu planen und sie am Ende durch scheinbare Leichtfertigkeit zu vergeigen. Zum Beispiel rettet es die Enterprise-Besatzung, dass sie mit Kralls altem Schiff, der Franklin, arbeiten kann. Warum aber, hat Krall die Franklin nicht mehr im Blick? Es ist daher verwunderlich, dass Krall diese Möglichkeit nicht unterbindet.

„Star Trek Beyond“ ist ein unterhaltsames Abenteuer, das keine philosophischen Höhen erklimmt und an einigen Stellen auch gewisse Logikschwächen hat. Dafür überzeugt der Film mit gelungenen Charakteren, einer sehr guten, bildgewaltigen Stimmung und einigen prägnanten, „Star Trek“-typischen Kernaussagen.

 

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