Frontiersmen – Höllenflug nach Heaven’s Gate (von Wes Andrews)

frontiersmen 1John Donovan ist Raumcaptain, Schmuggler und für jeden Job in den Randwelten zu haben – solange der Preis stimmt. Er und seine Besatzung sehen sich als Frontiersmen, die ihren Lebensunterhalt an der Grenze des bekannten Raumgebiets verdienen – wenn sie sich nicht gerade in irgendwelchen Bars die Köpfe einhauen. Derzeit laufen die Geschäfte jedoch alles andere als gut und Donovan sieht sich mit lebensgefährlichen Gläubigern konfrontiert. Um aus den roten Zahlen zu kommen, bietet er einen Personentransport nach Heaven’s Gate an. In dem Sektor treibt ein unterdrücktes Volk, die Peko, gerade ihr Unwesen: Treffen diese Peko auf Menschen, kennen sie kein Erbarmen. Mit der riskanten Fahrt kann John all seine Schulden aber auch sein Leben verlieren.

„Frontiersmen“ verheimlicht an keiner Stelle, dass es sich bei dem Roman um eine große Hommage an die viel zu früh eingestellte Serie „Firefly“ handelt. Das Setting, die Charaktere und auch das Schiff ähneln in vielen Punkten dem Original, das ebenfalls versuchte, Western und Science Fiction miteinander zu verbinden. Nach den ersten Seiten, die bereits Western-Duelle, Barschlägereien sowie die Sorgen und Nöte eines Schmugglers beinhalten, hat man den Eindruck, es mit einer simplen Kopie zu tun zu haben.

Die Kopie ist allerdings gar nicht nicht schlecht. Firefly hatte viel Potential, das in den gerade einmal 13 Episoden der Serie nie ausgereizt werden konnte. Wes Andrews kopiert zudem die interessantesten Konzepte der Serie, allen voran das politische, übertrieben kapitalistische System der Menschheit sowie ein Volk von Aussätzigen, vor denen die zivilisierte Raumfahrt große Angst hat, und die Anarchie der Randwelten. Die Peko sind jedoch deutlich weniger mysteriös als die Reaver in Firefly, da sie nicht als Zombies sondern als nicht-menschliches Volk dargestellt werden. Das Spielfeld der Serie die Randwelten der menschlichen Ausbreitungssphäre, bleiben jedoch so faszinierend wie im Original.

Der titelgebende „Höllenflug nach Heaven’s Gate“ nimmt den gesamten Roman ein und bietet dem Leser eine überzeugendes und unterhaltsames Abenteuer. Dies wird in erster Linie durch ein enormes Tempo erreicht. Die Crew um Donovan wird immer wieder vor neue Hindernisse gestellt. Mal stoßen sie auf einen Kannibalen in einer Rettungskapsel, mal wird ihr unbewaffneter Frachter von Peko-Raumern gejagt bis man sich auf einem Bergbauplaneten gleich einer ganzen Peso-Invasion ausgesetzt sieht. Das ist schnell und locker erzählt, motiviert immer zum Weiterblättern und schafft ein ansehnliches Spannungsniveau.

Allerdings wirkt der Ton des Romans an vielen Stellen nicht authentisch. Der Autor bemüht sich an vielen Stellen darum, seine Charaktere vielschichtig wirken zu lassen. Letztlich ist es jedoch immer dieselbe Masche: Der vermeintlich toughe Mann stellt sich als Softie heraus. Jeder übernimmt in Frontiersmen letztlich eine Rolle, in der er bleiben muss und sein wahres Selbst verhüllen muss. Das führt zu einem überzeichneten Feuerwerk an chauvinistischen und sexistischen Sprüchen, die aber niemals überzeugend wirken. Das Verhalten der Protagonisten steht nicht im Einklang mit ihrer Rhetorik und letztlich erfüllt diese keinen Zweck außer einer bemühten Wild-West-Atmosphäre den Boden zu bereiten. Solch eine Atmosphäre könnte jedoch auf andere Art genau so gut geschaffen werden, ohne dabei die Charaktere des Romans stark zu überzeichnen. Gleichzeitig erscheint es angesichts der ständigen Fehler, die Donovan und seine Besatzung begehen, äußerst phantastisch, dass sie ihren Job bereits seit mehreren Jahren machen. Natürlich gehört Improvisation zu der Rolle eines Frontiersmen. Genau so wichtig ist aber eine gute Intuition und die scheint Donovan nur selten zu haben. Diese beiden Aspekte führen dazu, dass die temporeiche und spannende Geschichte immer wieder von aufgesetzten und künstlich wirkenden Dialogen unterbrochen wird. In Verbindung mit einer lächerlichen Biographie, die dem unter Synonym auftretenden Autor angedichtet wird, soll das Atmosphäre schaffen, stört jedoch lediglich das sonst gelungen kopierte Setting des Frontiersmen-Universums.

„Frontiersmen“ nimmt den Leser in der Tat auf einen spannenden und unterhaltsamen „Höllenflug nach Heaven’s Gate“ mit, der dank vieler Orts- und Handlungswechsel ein enormes Tempo aufbaut und spannend unterhält. Wer überzeichnete und simple Charaktere mit aufgesetzten Macho-Sprüchen ertragen kann, ist mit „Frontiersmen“ gut bedient.

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