Der Aquus-Minizyklus (Maddrax Bände 411-416)

Mit gerade einmal sechs Heftromanen ist der „Aquus“-Minizyklus deutlich knapper als sein Vorgänger, der Matt und Aruula in das System der Friedenswahrer brachte und sie elf Bände lang Abenteuer und er Stadt Toxx erleben ließ. Vielleicht auch deswegen liest sich der „Aquus“-Zyklus deutlich kohärenter und zielgerichteter: Jeder Band ist hier ein unterhaltsames Abenteuer.

Rückblick: Toxx – zu riesig für elf Bände

Erinnern wir uns einmal an die vorherigen elf Bände: Mit dem Schmelztiegel Toxx haben die Autoren der Serie ein faszinierendes Sammelsurium verschiedener Völker geschaffen, durch das Matt und Aruula in Richtung des Turms der Friedenswahrer irrten, um ihre Freundin Xaana wiederzufinden. Während die Stadt und ihre Bewohner liebevoll gestaltet waren, traf dies leider weder auf Teile der Handlung noch auf Matt und Aruula zu. Während man als Leser gerne mehr von Toxx erlebt hätte, rannten Matt und Aruula geradewegs auf den Turm zu, ohne sich auch nur im Mindesten für ihr Umfeld zu interessieren. Zwischendurch gab es trotzdem immer mal wieder Nebenhandlungen, in denen die beiden in Bredouille kamen, weil sie Bewohnern der Stadt halfen. Dies erweckte einen widersprüchlichen Eindruck eines willkürlichen moralischen Kompasses der beiden.

Letztlich enttäuschte vor allem das Finale, das wenig (und vor allem enttäuschende) Erkenntnisse brachte und vor allem Toxx in einer äußerst ungewissen Zukunft zurückließ. Nachdem der Weg zum Turm der Friedenswahrer manchmal etwas langatmig gestaltet war, hätte man sich hier mehr erhofft.

Aquus – Der faszinierende Wasserplanet

„Aquus“ wirkte hingegen zunächst wie ein Gegenprogramm zu Toxx. Hier gibt es nur kleinere Siedlungen, zwei Völker beherrschen die Szene, der Rest sind Probanden der Friedenswahrer. Da der Großteil des Planeten von Wasser bedeckt ist und die Helden der Serie bereits am Ende des ersten Bandes mit einem neuen Begleiter auf eine Planetenumreisung aufgebrochen sind, versprach der Zyklus eher langweilig und ruhig zu werden.

Das Gegenteil war der Fall: Aquus wurde als eben so faszinierender Ort wie Toxx dargestellt. Der Konflikt zwischen den Polatai und den Hydriten wird im Hintergrund dargestellt und sorgt für eine spannende Nebenhandlung auf dem Weg zum nächsten Turm der Friedenswahrer. Dazwischen versuchen die Probanden und ein paar andere Lebewesen ihre Überlebensnischen zu finden – was zu einer ähnlich rustikalen Atmosphäre führt wie in einigen Romanen, die auf der apokalyptischen Erde angesiedelt waren.

Verfolger im Nacken: Kra’rarr

Die wohl größte Überraschung ist Kra’rarr. Die einstige Taucherin wurde von den Friedenswahrern zur Mordwaffe umfunktioniert. Radikal und rücksichtslos verfolgt sie Matt und Aruula. Der Leser bekommt das immer mit und wird durch Kra’rarrs kalte Art bestens unterhalten. Leider führt diese Nebenhandlung nicht zu einem relevanten Teil des Finales. Aus der Konfrontation zwischen Kra’rarr und den beiden Gefährten hätte man viel machen können – dieser Punkt wird jedoch sehr rasch abgehakt und ist eigentlich nicht viel mehr als eine Schocksekunde. Das ist zwar überraschend (und in gewisser Weise dadurch auch schon wieder gelungen), trotzdem hätte dieser Moment stärker ausgereizt werden können.

Handlungsreiche Reise – richtig dosierte Informationshäppchen

Kra’rarrs kurzes Finale ist aber bereits der einzige negative Aspekt des Minizyklus. Hier funktioniert fast jedes Abenteuer bestens. Das Element Wasser wird im richtigen Maße in die Handlung eingebunden, die Hydriten sorgen für überzeugende Geschichten und zwischendurch gibt es immer mal wieder auf Inseln spannende Abenteuer zu erleben. Man erhält dadurch ein unmittelbares und lebhaftes Bild von Aquus, das aber gleichzeitig wenig Fragen offen lässt. Die Kürze des Minizyklus sorgt außerdem dafür, dass die Häppchen an Informationen, die man über die Friedenswahrer hier erhält, genau richtig dosiert erscheinen. Dadurch unterhält der Zyklus bestens und stellt auch den Neugierdrang zufrieden. Viel besser kann man es nicht machen.

 

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