Endspiel – Der letzte Schlüssel (von Andreas Suchanek / Heliosphere 2265 Band 24)

helios24Die Doppelepisode 24 bildet das Finale des zweiten Zyklus der Serie „Heliosphere 2265“. Die Erzählung ist in zwei Teile gegliedert. Zunächst geht es in „Der letzte Schlüssel“ darum, dass Meridian mithilfe der Assassinen des Ketaria-Bundes alle verbliebenen Genschlüsselträger entführt. Anschließend erzählt „Endspiel“, wie die Crew um Captain Jayden Cross auf der Hyperion verzweifelt versucht, den Zeitreisenden Meridian aufzuhalten. Mit der Öffnung des Tores für die mächtigen Ash’Gul’Kon durch die Schlüsselträger stellt sich rasch heraus, dass die Hyperion den Eintritt eines neuen Feindes in die Milchstraße nicht aufhalten kann.

Der Zyklusabschluss weist eine große Dynamik auf und liest sich wie ein Sog. Dies gelingt vor allem durch eine dichte Handlung aber auch durch einen angenehmen Fokus auf die Charaktere der Serie und ihre Emotionen, die sich bereits seit einigen Bänden wieder abzeichnet. Besonders gelungen ist der Mittelteil, indem John Kartess ebenfalls auf die wahren Hintergründe der Assassinen stößt. Seine Unterhaltungen mit einem Eriin-Piraten erscheinen nicht nur glaubwürdig, sondern vermitteln auch ein ungewohnt realistisches Bild von der Situation in den Außengebieten der Menschheit.

Neben der sehr starken Erzählform enthält der Zweiteiler aber auch ambivalente Elemente. So ist die Schilderung der Zukunftsrebellen äußerst interessant. Seit ihrem Auftritt in der Seriengegenwart hat man von ihnen nicht mehr viel gehört. Nun stellt sich heraus, dass sie ein äußerst vielfältiges, eigenes Reich entwickelt haben und sogar die Zustimmung der Öffentlichkeit erlangen konnten. Hier ist es schade, dass die Ereignisse den Fokus sofort wieder auf die Haupthandlung rücken, die immer wieder verhindert, dass der Leser das „Heliosphere 2265“-Universum genauer kennen lernt. Ähnlich ambivalent ist die Handlung um Sjöberg und Meridian. Die beiden Psychopathen liefern sich in dieser Episode eine unterhaltsame und spannende Auseinandersetzung. Dabei wird durch Meridian erstmals angesprochen, dass Sjöberg letztlich ein reiner Versager ist (was durch die absolut aufgesetzt wirkende Proletensprache, die Suchanek für diesen Charakter wählt, noch unterstrichen wird). Andererseits wird in diesem Roman einmal mehr deutlich, dass auch Meridians eigene Motivation absolut naiv und blauäugig ist. Daher überrascht es keineswegs, dass sein Auftraggeber der Ash’Gul’Kon ihn bei den ersten Problemen fallen lassen. Hier erscheint es einmal mehr schleierhaft, wie solche Narren selbst unter gelegentlicher Anleitung der Ash’Gul’Kon so viel Macht und Unterstützer erlangen konnten. All diese Handlungsstränge tragen zum Spannungsaufbau und dem Erzählfluss bei, erscheinen aber nicht gänzlich überzeugend.

Der einzige wirkliche Schwachpunkt der Episode ist das Ende, in der eine unbekannte Erzählstimme im Stil eines Historikers verkündet, dass nun ein großer Krieg ausbreche. Diesen Absatz hätte man sich sparen können. Abgesehen davon, dass er den Stil der Serie bricht, kann der aufmerksame Leser sich dies sowieso denken.

Abgesehen davon ist „Endspiel – Der letzte Schlüssel“ aber ein äußerst spannendes Finale, das anders als Omega-Der Jahrhundertplan (das erste Zyklusfinale), auf ganzer Linie unterhält, überzeugt und kaum aus der Hand zu legen ist. Es macht daher viel Lust auf den dritten Zyklus.

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