Von Ratlosen und Löwenherzen (von Rebecca Gablé)

gable ratloseRebecca Gablé ist die Autorin zahlreicher historischer Bestseller, die immer reale Begebenheiten, in der Regel im mittelalterlichen England, mit spannenden Ereignissen um fiktive Charaktere verbinden. Im Jahr 2008 legte sich nach dem Abschluss ihrer Warringham-Trilogie (die 2011 und 2015 auf fünf Bände erweitert wurde) einen knappen Abriss zur Geschichte des englischen Mittelalters vor. Der Bucheinband verspricht eine „kurzweilige, aber nützliche Geschichte“ und dieses Versprechen löst die Autorin ein.

Das Buch ist in sechs Kapitel gegliedert. Nach einer kurzen Abgrenzung des Mittelalters von anderen Epochen, widmet Gablé sich erst den Angelsachsen und anschließend den Normannen, die England besiedelt haben. Anschließend verfolgt sie die Ereignisse um die Königshäuser Plantagenet, Lancaster und York. Jedes Kapitel wartet mit einer Charakterisierung der Könige des jeweiligen Hauses sowie einer Zusammenfassung der wichtigsten militärischen Ereignisse auf. Natürlich spielt dabei das Verhältnis zu französischen Königen sowie die Hochzeitspolitik und innerengländische Adelspolitik die wichtigste Rolle.

Eine Stärke des Buches ist, dass Gablé immer wieder auch auf die „einfache“ englische Bevölkerung eingeht und ihre Lebensweise und –umstände schildert. Dabei räumt sie gelegentlich mit Vorurteilen des Mittelalters auf und verweist darauf, dass Stereotypen wie z.B. die Hexenverfolgung erst nach dem Mittelalter wirklich einsetzten. Bemerkenswert sind auch die Worte, die die studierte Literaturwissenschaftlerin und Mediavistin zu der sozialen Lage der Engländer nach dem normannischen Umsturz sowie nach der Pest findet. Gablé begrenzt sich dabei nicht nur auf die Lage der Bauern und der Mittelschicht, sondern fügt immer auch einen Absatz zur Lage der Frauen in dieser Zeit ein, die unter älteren germanischen Sitten ein hartes, aber gelegentlich einflussreiches Leben als unter christlichen Regeln führten und deren Rechte immer weiter eingeschränkt wurden. Dieser interessante Blick wird jedoch etwas eingeschränkt, da Gablé die englischen Könige fast ausschließlich nach männlichen Kriterien einschätzt und bewertet. Das mag für die damalige Zeit das gängige Bewertungskriterium gewesen sein, doch damals hätte eine Beschreibung der Lage der Frau ebenfalls eher Verwunderung ausgelöst.

Angereichert werden alle Darstellungen mit einer Fülle an kleinen Anekdoten, die gelegentlich bereits in Gablés Romanen auftauchten. Daraus folgt eine gelegentlich etwas flapsige, aber immer unterhaltsame Geschichte des englischen Mittelalters. In anderen Büchern findet man vermutlich mehr Details, mehr Fakten als in „Von Ratlosen und Löwenherzen“. Wem es aber über einen populären, gelegentlich witzigen und vor allem kurzweiligen Einstieg in das englische Mittelalter geht, der ist mit diesem Büchlein richtig aufgehoben.

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