Kaverne der vergessenen Bücher (von Ansgar Back / Maddrax Band 402)

mx402Matthew Drax und Aruula sind auf dem Planeten Transfer gestrandet. Der Planet wird von den Friedenswahrern beherrscht, die zwar ein friedliches Leben garantieren, aber auch dafür sorgen, dass die auf den Planeten entführte Lebewesen ihre Herkunft vergessen. Dank ihrer Schutzanzüge konnten Drax und Aruula diesem Schicksal entgehen. Nun sind sie auf der Suche nach ihrer verschwundenen Freundin. Sie erhoffen sich mehr Antworten im Zentrum der riesigen Stadt Toxx, von dem die Vergessensstrahlung ausgeht. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf Bent, der behauptet ihre Freundin in dem Bergwerk Az’kAhl gesehen zu haben. Dort versucht eine Gruppe Wissenschaftler, die Kaverne der vergessenen Bücher zu finden. Sie wurde einst von Wesen angelegt, die sich dem Vergessen entziehen wollten, indem sie all ihr Wissen aufschrieben. Während der Suche nach dieser Kaverne verwenden die Wissenschaftler die Särge der Discolls als Bagger, primitiven Bergwesen, die ihre Särge mit Gewalt zu verteidigen versuchen.

„Kaverne der vergessenen Bücher“ ist ein spannender Roman. Bereits der Einstieg, indem ein weibliches Wesen namens Kyra versucht, das Bergwerk zu erreichen und dabei Opfer einer der Discoll-Kugeln wird, ist sehr intensiv. Da man über lange Strecken die Motivation Bents wie auch der im Bergwerk arbeitenden Wesen nicht richtig einschätzen kann, bleibt der Roman eine lange unterhaltsame Rätselpartie. In einer Nebenhandlung wird zudem die Pension, in der Drax und Aruula untergekommen sind und in der sie ihre Schutzanzüge versteckten, von der Tauchergilde überfallen. Diese Wesen sind an den Anzügen interessiert, da sie sie vor gefährlichen Energiewesen in dem einzigen Teich der Stadt Toxx schützen können. Der Heftroman ist dadurch ein kurzweiliges Lesevergnügen – wären da nicht die kleinen inhaltlichen Störer.

Zunächst einmal ist die Auflösung äußerst dramatisch: Die Särge stellen sich als Geburtsbehälter heraus, die Wissenschaftler haben die Discolls also beinahe systematisch vernichtet. Natürlich provoziert das eine gewalttätige Reaktion. Und natürlich ist es verständlich, dass man im Bergwerk, trifft man auf gruselige, bewaffnete Wesen, zunächst selbst zur Waffe greift. All dies erklärt aber nicht, warum die Discolls nicht einfach Bent gebeten haben, mit den Wissenschaftlern zu verhandeln. Er, so stellt sich heraus, ist nämlich der wahre Hüter der Kaverne. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Wissenschaftler zur Kaverne zu führen und im Gegenzug den Fortbestand der Discolls zu sichern. Dadurch wird die Grundlage für die gesamte Handlung ad absurdum geführt. Ärgerlich ist zudem, dass sich Drax und Aruula einmal mehr in keiner Weise für ihre neue Welt interessieren. So wäre es zum Beispiel interessant, ob die Discolls ebenfalls nach Transfer entführt wurden oder ob sie eine einheimische, intelligente Spezies sind. Dann wären sie nämlich die erste dieser Art, die nicht von den Friedenswahrern geschaffen bzw. kontrolliert wird. Das diese Frage nicht einmal thematisiert wird, ist fahrlässig.

Der dritte Band des neuen „Maddrax“-Zyklus sorgt damit für temporeiche und spannende Unterhaltung, die aber auf der inhaltlichen Ebene nur bedingt überzeugen kann. Es wird Zeit, dass sich Drax und Aruula beginnen, für ihre neue Umwelt zu interessieren!

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