Les Guerriers du Silence (von Pierre Bordage)

dt. Titel: „Krieger der Stille“
les guerriers du silenceDie Konföderation von Naflin herrscht mehr oder weniger friedlich über die gesamte Galaxis. Während Raumfahrten relativ rar zu sein scheinen, ermöglicht eine Transportertechnologie den Austausch zwischen verschiedenen Planeten, die allesamt von Abkommen der Menschen besiedelt zu sein scheinen. Die stabile Ordnung wird jedoch bedroht: Auf dem Planeten Syracusa geht die örtliche Herrschaftsfamilie einen Deal mit mysteriösen Wesen ein, die daran arbeiten, Menschen mithilfe ihrer Gedankenkraft zu töten. Mithilfe eines geschickten Planes und in Verbindung mit der fanatischen syracusanischen Kirche des Kreuzes gelingt es Stück für Stück, die Konföderation zu Fall zu bringen und durch ein theokratisches Regime unter der Führung Syracusas zu ersetzen. Dem gegenüber steht lediglich die Syracusanerin Aphykit, die dank eines verstorbenen Familienmitglieds über das Ausmaß der Verschwörung informiert ist. Mithilfe des Transporterbetreibers Tixu flieht sie vor den Schergen der Syracusaner von einem Planeten zum Anderen, um Mitstreiter zu finden. Doch die Syracusaner sind ihnen immer einen Schritt voraus.

„Les Guerriers du Silence“ (dt.: „Krieger der Stille“) ist ein Untergangsszenario. Die Galaxis ist zu Beginn nicht besonders fair aber immerhin stabil von der Konföderation der Naflin und ihrer Herrschaftsfamilie regiert. Das Reich hat sich seit langem überdehnt und es wird immer schwieriger, alle Planeten zufriedenzustellen und Rebellionen zu verhindern. Das ist ein klassisches Szenario. Ungewöhnlich ist der Auslöser für den rapiden Zerfall der Konföderation: In einer Geschichte, die ausschließlich von – freilich über die Jahrhunderte weiterentwickelte – Menschen dominiert ist, wirken die mysteriösen „Scaythes d’Hyponéros“ mit ihren mentalen Fähigkeiten fehl am Platz. Dabei ist dem Leser relativ schnell klar, dass sie die treibende Kraft hinter dem Plan sind, der die Kirche und die Politik Syracusas hinter dem Ziel, die Galaxis zu beherrschen, vereint. Vermutlich wird es in den kommenden Teilen stärker darum gehen, woher die Scaythes kommen und warum sie die Menschheit kontrollieren möchten.

Dem gegenüber stehen Aphykit, Tochter eines der „Meister“, die den mentalen Sieg der Scaythes verhindern könnte, und der Transporterbetreiber Tixu. Nachdem der Vater Aphykits ermordet wird, bleibt seiner Tochter nur die Flucht. Da sie relativ mittellos ist, baut sie auf Tixus Gutmütigkeit. Dessen Motivation, ihr zu helfen, ist eine Schwachstelle des Buches: Auf den ersten Blick verliebt er sich in die „schöne“ Syracusanerin und folgt ihr anschließend durch die Galaxis. Obwohl er ihr immer wieder Nahe kommt, gelingt eine Vereinigung doch erst zum Schluss des Buches unter dramatischen Umständen. Dieser Beweggrund ist äußerst schlicht und passt zusammen mit der Skizzierung Tixus als einer unschuldigen und naiven Persönlichkeit, die von einem Abenteuer ins Nächste taumelt.

Immerhin sind Tixus Erlebnisse auf Verbrecherplaneten, weit entwickelten Planeten und innerhalb eher unterentwickelter Zivilisationen in der Regel spannend. Bordage baut dabei eine äußerst subtile Kulisse auf. Mit Mühe skizziert er die jeweilige Zivilisation und lässt den Leser darin eintauchen. Tixu bewältigt kleinere Aufgaben und findet bei den schlichtesten Bewohnern die größte Hilfe. Dies ist oft ein starker Ausdruck Bordages humanistischen Weltbildes, in dem vor allem die von der Zivilisation am Weitesten entfernten Protagonisten, die uneigennützigsten Wesen sind.A m Ende eines jeden Handlungsabschnittes ist Tixu einen Schritt weiter, doch die Scaythes, die ihm immer auf den Fersen sind, richten hinter ihm häufig ein Blutbad an. Diese werden von Bordage nie direkt geschildert, sondern entfalten in einem kurzen und knappen Satz am Ende des Kapitels eine eigene Wirkungsmacht. In Nebenkapiteln erfährt der Leser zudem den stetigen Fall der Konföderation. Dies ist jedoch oft nicht so bewegend wie die Ereignisse um Tixu. Durch dessen ständigen Ortswechsel erhält der Roman einen Episodencharakter.  Jeder Planetenwechsel nimmt Tempo aus der Handlung, baut aber insgesamt ein eindrucksvolles Panorama der Galaxis auf, in der der Roman spielt.

Spätestens ab der Hälfte des Romans wird dabei deutlich, dass es sich bei „Les Guerriers du Silence“ um einen Auftaktband handelt. Die Verwandlung der Konföderation in ein Imperium wir hier nicht gestoppt, allenfalls vollendet. Wenn Tixu Aphykit findet, erhält er keine Antworten, sondern befindet sich lediglich am Beginn einer größeren Auseinandersetzung. Aus diesem Blickwinkel bieten die vielen, zum Teil durchaus spannenden Episoden ein gelungenen Überblick über die Verwandlung einer Galaxis in eine religiös-mentale Diktatur in der die Hoffnung auf eine Änderung der Verhältnisse auf den Schultern zweier Individuen (und eines Kindes) liegt. Das mag für mehr als 600 Seiten eine magere Ausbeute sein, ist dank der dicht beschriebenen einzelnen Episoden aber ein unterhaltsames Gesamtwerk.

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