The Second Best Exotic Marigold Hotel

Im ersten Teil der Reihe hatte der Inder Sunny die Idee, ein Hotel für alte Menschen zu eröffnen, das ihnen ein Alternative zum „tristen“ Rentneralltag in Industrieländern dienen sollte. Auf wunderbare Weise und mit warmen Humor verband der Film die Geschichte sieben alter Personen sowie Sunnys Schwierigkeiten, das Hotel finanziell über Wasser zu halten und seine Freundin gegenüber seiner strengen Mutter zu rechtfertigen. Die Ausgangslage im zweiten Teil ist eine andere: Die Rentner sind mittlerweile zu Stammgästen im Hotel geworden und bessern sich ihre Rente mit allerlei Nebenjobs auf. Das Hotel ist dadurch ausgebucht und Sunny und die noch immer etwas rassistische Muriel Donneley als Co-Managerin versuchen aus der Idee eine Kette zu machen. Der Film beschreibt nun, wie Sunny sowohl mit der Erweiterung, einem vermeintlichen Nebenbuhler sowie seinen Hochzeitsvorbereitungen kämpft, während die Rentnerpaare sich darum bemühen, ihren Lebensabend zu gestalten.

Dem Film fehlt dadurch die klare Linie des Vorgängers. Ging damals jeder Rentner mit einem klar definierten Problem (Hüfte, Einsamkeit, Schulden etc.) nach Indien, um dem Alltag zu entfliehen, so sind die Probleme diesmal unklarer und vor allem kleiner geworden. Vor allem sind die meisten Schwierigkeiten selbst gemacht: So stehen sich zum Beispiel Evelyn und Douglas bei dem Beginn einer Beziehung selbst im Weg, während sich Madge sich nicht zwischen zwei potenziellen Partnern entscheiden kann und Norman versucht, mit dem monogamen Leben zurechtzukommen. Dies verlegt den Schwerpunkt etwas, da diesmal jeder Charakter über seinen eigenen Schatten springen muss. Das ist durchaus interessant, da man auf diese Art mehr über die Handlungsweisen der Personen erfährt. Es ist allerdings auch weniger leicht und häufig weniger humorvoll als im ersten Teil. Außerdem sorgt die Vielzahl an Handlungssträngen dafür, dass der Film an einigen Stellen eher Episodencharakter hat anstatt ein einheitliches Bild abzugeben.

Ein kleines Ärgernis sind die Handlungen um das Hotel und um Sunny. An sich bietet sich das Hotel als zusammenhaltendes Element der Geschichte an: Es muss dringend erweitert werden, um profitabler zu werden. Dafür bittet Sunny amerikanische Investoren um Hilfe, die einen Inspektor in das Hotel schicken. Bald darauf gibt es einige Gäste, die die Investoren sein könnten. Das ist an einigen Stellen äußerst amüsant. Anstatt den Schwerpunkt der Handlung hierauf zu legen, konzentriert sich der Film jedoch auf Sunnys Hochzeit sowie seine Eifersucht auf einen Freund des Bruders seiner Gattin. In gewisser Weise fügt sich dieser Strang in die Gesamthandlung ein: Auch Sunny muss über seinen eigenen Schatten springen, seine Eifersucht überwinden und vor allem selbstständig seine Zukunft gestalten anstatt sich treiben zu lassen. Andererseits ist dieser Handlungsstrang relativ schwarz-weiß dargestellt, vor allem Sunnys vermeintlicher Konkurrent ist unglaublich stereotyp dargestellt. Hinzu kommt, dass die im vorherigen Film noch nicht besonders angesehen Familie der damals im Callcenter arbeitenden Sunaina auf einmal recht wohlhabend zu sein scheint und unter anderem auch über Sunnys dominierender Mutter zu stehen. Insgesamt ist vor allem dieser Platz einnehmende indische Handlungsstrang nicht sehr überzeugend geraten, da sich die Autoren davor scheuten, hier eine ausdifferenzierte Handlung zu präsentieren.

Trotz allem ist „The Second Best Exotic Markgold Hotel“ ein sehr unterhaltsamer Film, der in vielen Momenten von seinen ausgezeichneten Darstellern, einer noch immer soliden Prise Humor und der Vielzahl seiner Handlungsstränge lebt. Und auch wenn er kein großes, einheitliches Bild präsentiert und an einigen Stellen weniger durchdacht und differenziert wirkt als der erste Teil, bietet er doch zwei Stunden lang gute Unterhaltung.

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