Interstellar

Die Biosphäre der Erde ist in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts stark beschädigt. In den USA wächst nunmehr nur noch Mais, Tiere gibt es bereits seit langem nicht mehr. In dieser Situation stößt der ehemalige Pilot Cooper durch merkwürdige Zeichen aus dem Bücherregal seiner Tochter auf ein geheime Anlage der NASA. Dort wird ihm verdeutlicht, dass die Menschheit auf der Erde keine Zukunft mehr hat. Die einzige Chance für die Spezies Mensch zu überleben, wäre zu den Sternen zu streben. Kürzlich tauchte ein Wurmloch im Sonnensystem auf, das Reisen in ein unbekanntes System ermöglicht. Dieses liegt zwar in der Nähe eines Schwarzen Loches, bietet aber trotzdem ausreichend Planeten, um der Menschheit eine Heimat zu bieten. Zu jedem Planeten wurde bereits eine Erkundungsmission geschickt. Nun geht es darum, den richtigen Planeten auszuwählen und die Grundlage für eine Kolonie zu legen. Cooper erklärt sich bereits, die Mission zu steuern. Tränenreich verabschiedet er sich von seiner Familie und begibt sich auf ein Abenteuer, das ihn auf gefährliche Planeten, mit wahnsinnigen Erkundern zusammen und vor allem immer wieder mit der physikalischen Relativität in Konflikte bringt.

„Interstellar“ ist auf viele Arten ein sehr amerikanisch-patriotischer Film. Die Menschheit hat den eigenen Planeten ruiniert und muss nun gerettet werden. Dies kann aber allein von Amerikanern unternommen werden. So ist es nicht etwa ein internationaler Zusammenschluss, der die Menschheit rettet, sondern die NASA. Es sind natürlich auch keine internationalen Wissenschaftler, die die technischen Lösungen entwickeln, sondern Amerikaner. Auf diese Weise verbindet der Film ein politisches Thema, die Zerstörung unseres Planeten, mit einer gewissen Prise Hurra-Patriotismus.

Diese irritierende Einseitigkeit wird an vielen Stellen durch einen eben so irritierenden Pathos ersetzt. Zum Beispiel ist es kein guter Zeitpunkt sich über den Zustand des Universums und das eigene Fehlverhalten darin auszutauschen, wenn man gerade einen (von vier) Crewmitgliedern durch eine Riesenwelle verloren hat. Kein Wunder, dass daraufhin die nächste Welle folgt. Dies geschieht leider nicht nur einmal in dem Film.

Trotz dieser zwei Schwächen beeindruckt Interstellar jedoch auf zwei Ebenen. Cooper Kinder bleiben zurück und gehen auf ganz eigene Art und Weise mit der ökologischen Katastrophe auf der Erde um. Während sich der Sohn Tom bemüht, die Farm am Laufen zu halten, versucht Murph mithilfe der Wissenschaft die Menschheit zu retten. Die dunkle Stimmung auf der Erde ist intensiv und mitreißend. Im All werden dem Zuschauer wiederum beeindruckende Bilder präsentiert. Zwar verhalten sich die Astronauten allesamt alles andere als professionell. Doch die beängstigende Stille im Weltall und die daraufhin um so lauter werdenden Ereignisse auf immerhin zwei Planeten sind alles andere als langweilig.

Zuletzt trumpft der Film mit einer gelungenen Mischung aus vorher- und unvorhersehbaren Handlungsteilen auf. Während vor allem menschliche Reaktionen durchweg vorhersehbar bleiben, ist die Natur auf den Planeten sowie das schwarze Loch selbst es nicht. Vor allem letzteres führt am Ende des Films zu den wohl größten Überraschungsmomenten des Filmes, die auch den längsten Eindruck hinterlassen werden. Obwohl die Handlung dann bereits nur noch schwer zu verfolgen und einzuordnen ist, überzeugt das Ende doch gerade durch die eindrucksvollen Bilder.

Letztlich bleibt neben all der Handlung der Appell zurück, den verloren gegangenen technischen Optimismus zurückzugewinnen. Böses geht in diesem Film (fast) ausschließlich von Menschen aus, die nun einmal vor allem an sich denken. Gefährlich kann es auch sein, die Unberechenbarkeit der Natur (auf fremden Planeten) zu unterschätzen. Technik und Wissenschaft hingegen sind in diesem Film die Garanten für das Überleben der Menschheit und haben somit eine ganz andere Rolle als ihnen in der öffentlichen Diskussion sonst zugesprochen werden. Diese Botschaft wird in „Interstellar“ nicht immer spannend und (menschlich) überzeugend aber durchgehend bildgewaltig dargestellt

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