Prominenter Autor (von Philip K. Dick)

DickJahrelang quälte sich Henry Ellis in einem Monojet stundenlang zur Arbeit. Das hat sich nun geändert: Seine Firma hat ihn zum Tester eines Sekundenflitzers gemacht. Das ist ein Portal von seinem Wohnzimmer direkt in sein Büro. Er muss lediglich durch einen Tunnel gehen. Doch bereits bei der ersten Benutzung stellt Ellis fest, dass der Tunnel ein Loch hat. Dahinter befinden sich kleine Wesen, die in merkwürdigen Worten mit ihm kommunizieren. Er lässt sich von ihnen Texte geben und diese von dem Übersetzungsapparat in der linguistischen Abteilung übersetzen, Fragen in den Texten lässt er vom Institut für Kulturelle Forschung beantworten und übersetzt sie zurück. Diese Aufgabe erfüllt ihn völlig und macht ihm viel Spaß. Doch sein Chef kommt dahinter, stellt fest dass der Flitzer kaputt ist, repariert diesen und feuert Ellis. Denn der Tunnel war tatsächlich ein Tor in die Vergangenheit, in der die Zeit rasch verging. Ellis hat unter anderem Dinge ins Hebräische, Alt-Griechische und Arabische übersetzt und ist somit wirklich ein „prominenter Autor“.

„Prominenter Autor“ ist eine fantastische und merkwürdige Geschichte. Hier wird ein einfacher Angestellter auf einmal zum Herausgeber der drei wichtigsten religiösen Texte. Denn Ellis schreibt die Texte schließlich nicht selber, sondern erhält die Antworten vom Institut für Kulturelle Forschung. Auf dieser Art werden wahrscheinlich nicht die Thora und die Bibel entstanden sein, sondern eher die zehn Gebote. Dass ein Amt in der Zukunft solche Antworten erstellt, erscheint trotzdem äußerst fragwürdig.

Ähnlich seltsam wirkt die Tatsache, dass die Menschen in der Vergangenheit massenhaft durch den „Schlitz“ im Sekundenflitzer schauen können. Letztlich waren es schließlich immer nur einige „Propheten“. Aber gut die „Massen“ an Wesen sind vermutlich einfach notwendig, um eine Atmosphäre in der Geschichte aufzubauen.

Gelungen an der Geschichte ist einzig Ellis Reaktion auf seine Macht. Er entwickelt, noch bevor er etwas davon ahnt, dass es sich um ein Fenster in die Vergangenheit handelt, Freude daran, zu beobachten, wie sich die kleinen Menschen über seine Botschaften freuen und sogar beginnen, ihn zu verehren. Selbst als sie um Seines Willen Krieg gegeneinander führen, beflügelt ihn das. Auf einmal hat er das Gefühl, mehr als nur einen Bürojob zu erledigen und geht voll in seiner Übermittlerrolle auf. Dies verdeutlicht überzeugend, wie sehr die Jobzufriedenheit mit dem Gefühl, „Macht“ am Arbeitsplatz zu haben und diese ausnutzen zu können, zusammenhängt. Diese Verbindung dürfte noch heute in vielen Büros zu beobachten sein.

„Prominenter Autor“ ist eine eher schlichte Zeitreisegeschichte mit einer netten Pointe, die aber sonst wenig bemerkenswerte Elemente aufweist und zum Beispiel die Möglichkeiten zur Religionskritik (oder auch nur zum Religionskommentar) fast gänzlich verschenkt.

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