Vermessungsteam (von Philip K. Dick)

DickDie Erde befindet sich inmitten eines Atomkriegs. Leben auf der Oberfläche ist schon lange nicht mehr möglich. Mit Sorge betrachten die Menschen ihre jüngsten Nachkommen, die die Oberfläche nie gesehen haben. Sie degenerieren zunehmend. Die Amerikaner entscheiden sich daher, auf den Mars auszuweichen. Mason, Young und Halloway sind Teil des Vermessungsteams, das den Weg für die Kolonisation bereiten soll. Doch der Mars ist völlig entkernt: Die Marsianer haben alle Ressourcen aufgebraucht, außer Ruinenstädten ist nichts mehr da. Die Menschen entdecken jedoch, dass die Marsianer den Planeten verlassen haben und zu anderen Planeten aufgebrochen sind. Sie wollen das wiederholen, entdecken jedoch rasch wohin die Marsianer vor Jahrtausenden aufgebrochen sind und wieder in die Barbarei gefallen sind: zur Erde. Menschen sind Nachfahren der Marsianer und haben einen zweiten Planeten zugrunde gerichtet. Während Mason dazu rät, sich mit dem Schicksal abzufinden und zu lernen mit dem wenigen Verbliebenen zu leben, planen Young und Halloway bereits, wie man außerhalb des Sonnensystems Planeten finden und kolonisieren könnte.

Es ist immer wieder überraschend, wie vielfältig Dick das Atomkriegsszenario verwenden kann. „Vermessungsteam“ ist dabei eine besonders visionäre Zukunftsversion. Hier wird gar nicht so sehr die Kriegssucht der Menschen porträtiert, sondern die Art, in der sie ihre Umwelt behandeln. Dabei herrschte in den 50er und 60er Jahren noch ein geradezu fundamentalistischer Zukunftsoptimismus. Erst in den 70er Jahren wurde schließlich im Zuge der Ölkrise auch die Frage nach endlichen Ressourcen breiter diskutiert. Dick zeigt mit „Vermessungsteam“ bereits 1954: Sind alle Ressourcen gehoben, bietet der Planet keine Lebensgrundlage mehr.

Das schildert er äußerst eindrücklich. Bereits die Tatsache, dass der Mars verlassen ist, erschafft eine düstere Atmosphäre. Das gleichzeitig überall Löcher im Boden und andere Hinterlassenschaften daran erinnern, dass dieser Planet schlicht ausgebeutet wurde, verstärkt die Atmosphäre noch immens. Trotzdem ist die Wendung, dass die Marsianer auf die Erde ausgewichen sind, äußerst überraschend und sehr gelungen.

Sie führt nämlich zu der Hauptaussage der Geschichte. Die Menschheit, wenn sie ihr Problem – wahrscheinlich zu spät – erkennt, versucht nicht sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren, versucht nicht, den eigenen Lebensstil zu verändern. Stattdessen wird fieberhaft nach „neuen“ Plätzen gesucht. Waren das einst Kolonien, sind es in dieser Geschichte neue Planeten, die in – in kosmischen Maßstäben gemessen – kürzester Zeit ebenfalls ausgebeutet werden. So pessimistisch diese Vision ist, so realistisch wirkt sie doch auch noch heute. Zwar entwickelt sich immer stärker ein ökologisches Bewusstsein. Gleichzeitig sind die Probleme jedoch seit mindestens 40 Jahren bekannt, ohne dass sich tiefgreifende Veränderungen ergeben haben. Stattdessen ist es noch immer schwierig, den größten Versuchungen einer absolut unökologischen Gesellschaft zu wiederstehen.

„Vermessungsteam“ ist also nicht nur eine visionäre Umweltgeschichte, sondern porträtiert mit dem Drang nach neuen Plätzen statt anstrengender Anpassung wohl auch eine Wesensart des Menschen.

“Vermessungsteam”, 1954, erschienen unter anderem in der Anthologie “Variante Zwei” im Haffmans Verlag.

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