The Wolf of Wall Street

Jordan Belford wird ausgerechnet kurz vor dem schwarzen Montag 1987 Börsenmakler. Da es in der Folge kaum Arbeit gibt, spezialisiert er sich darauf, Billigaktien zu verkaufen. Dort ist die Provision extrem hoch und bald führt er ein erfolgreiches Unternehmen, Stratton Oakmont, das in vielen Bereichen weit abseits der Legalität operiert. Der Film zeichnet, basierend auf den Memoiren Belfords, die Frauen-, Drogen- und Partyexzesse Belfords und seiner Freunde nach.

Das dauert vor allem sehr lange. Knappe drei Stunden beobachtet man eine durchaus explizit dargestellte Orgie nach der anderen. Natürlich müssen die Party- und Sexeskapaden immer exzessiver werden. Doch wird immer deutlich, dass sich das Niveau nicht ewig steigern lässt. Die Kehrtwende tritt bei dem ersten Fehler von Belfords Geschäftspartner und Freund Danny ein. Anstatt ihn zu gestehen, besorgt Danny die härteste verfügbare Droge. Aus Angst, nicht mehr von Drogen High werden zu können, nehmen beide eine Überdosis ein, während ihre Geldwäschegeschäfte aufzufliegen drohen. Es folgt die erbärmlichste und entwürdigendste Szene im Film. Dies müsste der Weckruf sein, seine Einstellungen zu überdenken und das Tempo zurückzufahren. In „Wolf of Wall Street“ ist es jedoch gerade einmal die Mitte des Films und der Start der eigentlichen Botschaft.

Belford versucht zwar in der Folge auszusteigen. Das tut er nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil es ihm sein Umfeld, vor allem sein Vater, raten. Auf ihn wirkt es jedoch wie das Eingestehen einer Niederlage. Er müsste dadurch zugeben, dass auch er mit seinem Geld nicht außerhalb des Gesetzes steht. Hier wird deutlich, dass Belfords stärkste Sucht keineswegs Drogen oder Frauen, sondern sein Geld- und Machtstreben sind. Er hätte alles haben können, entscheidet sich jedoch geradezu dafür, alles zu verspielen.

In der Folge geht es stetig bergab, bis er seine Niederlage gegenüber der Staatsgewalt eingestehen muss. In der Folge muss er all seine Mitarbeiter verraten, um wenigstens seine eigene Haut zu retten. Nachdem man mehrere Stunden lang Belfords Ego-Trip, indem es zwar Platz für Frauen, aber keinen für Liebe oder Treue gibt, verfolgt hat, folgt hier der einzige freundschaftliche Moment: Seinen engsten Freund warnt Belford.

Selbst als gescheiterter Unternehmer, geschieden und hoch verschuldet gelingt es ihm auf seinen Workshops noch, die Menschen für sich zu begeistern. Das sollen dann wohl die Botschaften des Films sein: Die Wall Street versteht ganz offensichtlich selbst nicht, was sie tut, sondern lebt von der Abzocke derjenigen, die daran glauben wollen, an der Wall Street reich werden zu können. Selbst ein bekanntermaßen gescheiterter Mensch wie Belford kann dadurch die Menschen noch mit seinen Worten und Versprechungen einlullen. Gescheitert ist er auch nicht an seinem fehlenden Können als Broker, sondern an seiner Sucht nach noch mehr Geld und Macht, an seinem Verlangen über dem Gesetz zu stehen. Daher hat letztlich auch nicht das Gesetz über Belford gesiegt – es hätte ihm im Gegenteil auf dem Höhepunkt seiner illegalen Machenschaften ermöglicht, ohne seine Hintermänner zu verraten, auszusteigen – sondern Belford ist an sich selbst gescheitert.

Die Botschaft, dass mangelnde Regulierung, der Glauben der Masse an schnellen Reichtum, sowie Geld- und Machtsucht die Exzesse der Wall Street erst möglich zu machen, wird in diesem Film sehr deutlich, können exzessive Längen während all der Exzesse jedoch nicht verhindern.

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