Le Livre de saphir (von Gilbert Sinoué)

le livre de saphirAnmerkung: Die Bewertung beruht auf Französischkenntnissen des Niveau B2, vor allem sprachliche Feinheiten können somit unberücksichtigt bleiben.

Spanien, 1487. Die Inquisition wurde vom Papst in Spanien eingesetzt. Nach den Erfolgen der Reconquista sorgt diese dafür, dass der verbliebene jüdische und muslimische Einfluss zerstört wird. Angeführt wird sie vom fanatischen Torquemada, selbst jüdischer Abstammung, bemüht darum, diesen „Fehler“ durch einen besonderen Einsatz für das Christentum vergessen zu machen.
In dieser Situation findet sich eine Gruppe aus einem Rabbi, einem muslimischen Scheich und einem Franziskaner-Mönch. Zusammengebracht werden sie von dem – von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen hingerichteten – Juden Aben Baruel. Er stellt ihnen eine Reihe von acht Rätseln, die die drei durch ganz Spanien führt. Am Ende sollen sie das „Livre de saphir“ finden, das den endgültigen Beweis Gottes enthält. Die Inquisition schleust nachdem sie von der Reise erfährt zudem Manuela Vivero als Spionin in die Gruppe ein. Sie soll herausfinden, ob von dem Buch eine Gefahr für das politische und religiöse System Spaniens ausgeht.

Die Verbrennung einiger Juden zu Beginn des Romans setzt einen äußerst düsteren Ton. Dieser wird jedoch nicht aufrecht gehalten. Im Gegenteil: Spannung sucht man in diesem Buch vergeblich. Selbst die Interventionen der Inquisition wirken zahm, gibt es doch um die Königing Isabella Kräfte, die sich für den Schutz der ungewöhnlichen Truppe einsetzen. Zudem ist Manuela Vivero ebenfalls kritisch gegenüber der Inquisition eingestellt und lässt sich leicht für die Ziele der drei unterschiedlichen Gläubigen gewinnen.

Etwas Spannung wird natürlich durch das Ziel der Reise erzeugt. Dabei ist dem Leser jedoch klar, dass es am Ende keinen eindeutigen Gottesbeweis gibt. In der Tat wird das Buch am Ende zwar gefunden, es stellt jedoch keiner monotheistischen Religion einen Persilschein aus.

Das Buch muss daher auf andere Art und Weise überzeugen. Jedes Rätsel besteht aus komplizierten Verschlüsselungen, die lediglich mit den Kenntnissen der Thora, der Bibel und des Korans zu lösen sind. Die Gedankenspiele der drei Gelehrten sind zwar schwierig nachzuvollziehen, in vielen Punkten aber recht interessant. Außerdem sind die Reibereien zwischen den Dreien oft unterhaltsam. Über die 600 Seiten des Romans sind die theologischen Debatten mitunter aber auch ermüdend.

Sinoué legt großen Wert darauf, das Umfeld Spaniens zu der Zeit zu beschreiben. Die letzte arabische Bastion in Europa ist bereits zum Untergang verdammt. Derweil macht sich Christoph Kolumbus daran, Unterstützer für seine Indien-Mission zu finden. Ersteres ist sehr gelungen dargestellt, zweiteres ist leider misslungen. Dass die Gruppe gleich zwei Mal auf Kolumbus trifft, wirkt sehr übertrieben. Leider erlaubt sich der Autor auch mindestens zwei historische Fehler. Zunächst spricht er von Kartoffeln, die aber noch gar nicht nach Europa importiert wurden – sie kommen schließlich aus Südamerika. Später wird das Wort „machiavellisch“ verwendet. Machiavelli lebte zu dem Zeitpunkt bereits, war aber gerade einmal 18 Jahre alt, sein Hauptwerk „Der Fürst“ erschien erst viele Jahre später. So klein diese Fehler auch erscheinen mögen, so stark rütteln sie doch an der etwas bemüht wirkenden historischen Darstellung Spaniens im 15. Jahrhundert.

Gilbert Sinoué hat sich eine faszinierende Zeit für seinen Roman ausgesucht. In Spanien gibt es christliche, muslimische und jüdische Einflüsse, die bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts relativ friedlich nebeneinander gelebt haben. Mit der spanischen Reconquista ändert sich das: Das Christentum wird die dominierende Kraft und strebt danach, allen anderen Einfluss auszulöschen. Aus diesem spannenden Szenario macht Sinoué jedoch kaum etwas. Anstatt die Zeit zu analysieren konzentriert er sich zu stark auf Kolumbus beziehungsweise auf die langen theologischen Debatten. Das ist gelegentlich interessant, häufig aber auch etwas langweilig. Die Charaktere sind dabei idealtypisch gezeichnet und entwickeln sich überhaupt nicht. Das hinterlässt den Eindruck eines durchschnittlichen Romans.

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