Le chapeau de Mitterrand (von Antoine Laurain)

chapeau de mitterrandFrau und Kind machen Urlaub in der Bretagne: Eine ideale Gelegenheit für Daniel Mercier mal in einer teuren Brasserie in Paris essen zu gehen. Nach der Bestellung kann Mercier seinen Augen kaum trauen, der französische Präsident Mitterrand setzt sich an den Nachbartisch. Mercier verlängert sein Essen so lange wie möglich und erlebt so wie der Präsident seinen Hut vergisst. Für einen kurzen Moment überlegt er, Mitterrand hinterherzulaufen, dann nimmt er den Hut mit. Da weiß er noch nicht, dass der Hut nicht nur sein, sondern drei weitere Leben verändern soll.

„Le chapeau de Mitterrand“ (wörtl. „Der Hut Mitterrands“) hat verändert das Selbstbewusstsein seiner Träger deutlich. Jeder, der mit dem Hut in diesem Roman in Berührung kommt, entschließt sich dazu, sein Leben zu verändern. Das kann – wie in Merciers Fall – das selbstbewusstere Auftreten auf der Arbeit inklusive anschließender Beförderung sein oder aber auch einfach nur das Beenden einer schon seit langem unbefriedigenden Beziehung. Vier Mal wiederholt sich das Muster, jedes Mal wird der Träger des Hutes nach seinem Erfolg etwas nachlässig und findet den Hut wieder.

Überzeugend ist vor allem die überzeugende Charakterisierung der vier Hutträger, die Laurain auf recht begrenztem Platz (190 Seiten) gelingt. Dabei wirken die ersten beiden Fälle noch relativ solide und oberflächlich. Mercier erreicht eine Beförderung, die folgende Hutträgerin kann sich aus einer unglücklichen Beziehung befreien. Der folgende Kampf eines alternden Parfümentwicklers gegen die Depression (dank des Hutes) sowie die Wandlung eines konservativen Managers zum linken Bohème gehen hingegen deutlich stärker ins Detail. Während der Abschnitt über die Depression beinahe ein wenig sentimental wirkt, erscheint die letzte Handlung wieder locker und leicht. Trotz der Wiederholung des Wandermusters bleibt der Roman unterhaltsam und an einigen Stellen sogar unvorhersehbar.

Wer den Hut Mitterrands hat, dem gelingt alles. Der Roman zeigt vor allem, dass es oft nur der Veränderung einer winzigen Stellschraube bedarf, um ein Leben wieder auf eine glücklichere Bahn zu lenken. Der Hut gibt meist nur das Selbstbewusstsein zu einer schrägen oder emotional schwierigen Tat. Die Veränderungen haben alle über den Hutverlust hinaus Bestand.

Mercier bleibt die Klammer der Handlung. Nach dem Hutverlust ist er geradezu manisch von der Suche nach dem Hut besessen. Doch letztlich, wie könnte es anders sein, findet der Hut wieder den Weg zurück zu seinem ursprünglichen Besitzer. Nun weiß der Leser wie Mitterrand die von einigen bereits verloren gegebene Wahl 1988 gewinnen konnte: Nur kurz zuvor erhielt er den Hut zurück und wer diesen Hut hat, dem gelingt alles. „Le chapeau de Mitterrand“ ist dadurch nicht nur eine lockere und unterhaltsame Geschichte, sondern erinnert daran, wie wenig es manchmal zu grundlegenden Veränderungen braucht.

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