Das erste Ziel (Heliosphere 2265 – Band 14)

das erste zielDie Rebellen haben sich eine Verfassung gegeben und bereiten sich auf einen Wahlkampf vor. Die Zukunftsrebellen starten währenddessen ihren ersten Angriff gegen Imperator Sjöberg. Anders als die Rebellen aus dieser Zeitlinie gehen sie dabei brutal vor und verschonen auch zivile Ziele nicht. In der Zukunft erreicht die Hyperion derweil ihr Ziel und findet sich rasch in einem Machtkampf zweier übermächtiger künstlicher Intelligenzen wieder.

Die drei Handlungsstränge sorgen auch im zweiten Roman des zweiten „Heliosphere 2265“-Zyklus für ein hohes Erzähltempo. Für die ruhigen Momente sorgen die „Original“-Rebellen. Hier erlebt man hauptsächlich den Morgen nach der Referendumsfeier. Ereignisreicher geht es hingegen bei den Rebellen aus der Zukunft zu. Sie präsentieren sich hier beinahe unverwechselbar zu Sjöbergs Methoden. Der Imperator ließ einst ganze Planeten beschießen, bloß weil er auf ihnen einen Gegner ausgemacht hat. So extrem sind die Zukunftsrebellen nicht, dennoch unterscheiden sie nicht mehr zwischen Freund und Feind. Auch dass die Menschheit durch Killchips und andere Methoden dazu gezwungen ist, Sjöberg zu dienen, ficht sie nicht an. Sie wollen nur zerstören.

Das wird an zwei Momenten besonders eindrucksvoll deutlich. Admiral Pendergast gibt es in einer „Original“- und in einer Zukunftsversion. Während die originale Pendergast durchaus allen Ansprüchen eines klischeehaften, guten Helden ohne besondere Schwächen entspricht, hat sich Pendergast in der Zukunft so verhärtet, dass sie unempfänglich für weiche Gefühle ist. Sie möchte nicht nur Sjöberg, sondern alle, die ihm dienen vernichten. Gleichzeitig strebt sie danach, „schwache“ Elemente aus der Rebellion zu entfernen. Dazu zählt sie sogar ihr altes Selbst.

Um mehr Truppen zu mobilisieren, begibt sie sich am Ende der Handlung zu den Randwelten des Solaren Imperiums. Hier leben Menschen in großer Armut. Sie möchte dies ausnutzen. Hier kann man leicht Hass auf das Imperium anstacheln. Doch was soll das für ein Sieg werden, den die Zukunftsrebellen erringen könnten? Bei ihrer fehlenden Unterscheidung zwischen Freund und Feind würden sie beinahe die komplette Menschheit vernichten und sie anschließend mit aufgewiegelten Menschen, die nur durch ihren Hass vereint sind, besiedeln. Das ist kein tragfähiges Konzept und das müsste auch den Zukunftsrebellen klar sein. Entweder ist dieser Handlungsstrang also nicht ganz durchdacht oder hier soll tatsächlich eine ähnliche schlimme Fraktion wie Sjöbergs Imperium aufgebaut werden.

Das Hyperion-Abenteuer mit den zwei Supercomputern wirkt gegen die Bombardierung ganzer Planeten geradezu beschaulich. Dabei wird dieser Handlungsstrang wohl große Auswirkungen auf die weitere Handlung haben. Denn die Hyperion wird nun mit Technologie aus der Zukunft ausgestattet und transportiert sogar einen sehr weit entwickelten Computer. Das könnte die Position der Hyperion in zukünftigen Konflikten durchaus stärken. Dieser Handlungsstrang wirkt trotz der extremen Vorkommnisse (künstlich ausgelöste Supernova) sehr logisch und plausibel.

Am Ende wird mit der Rückkehr des Bundes der Assassinen noch ein vierter Handlungsstrang aufgemacht, ohne das die Handlung überladen wirkt. „Das erste Ziel“ ist damit also wieder nicht nur ein plausibler, sondern auch ein ereignisreicher und in einigen Momenten sogar spannender Roman und hebt die Serie damit wieder auf das unterhaltsame Niveau, das sie vor dem etwas enttäuschenden Zyklusfinale Omega erreicht hatte.

 

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