Wilde Tiere (ARD Radiotatort)

wilde TiereKommissar Xaver Finkbeiner wird überraschend vom Dienst suspendiert. Er soll in den 90ern einen Verdächtigen mit einem Kollegen in einem Verhör Folter angedroht haben. Finkbeiner kann sich an die Episode nicht mehr richtig erinnern, zweifelt das Beweismaterial seiner Vorgesetzten an. Seine Kollegin Brändle ist hin- und hergerissen, ihm oder den Beweisen zu glauben. Gleichzeitig hat sie alle Hände voll zu tun: Sie muss kriminelle Tierschmuggler überführen, mit einem französischen Kollegen warm werden und damit umgehen, dass ihre Affäre sie auf einmal heiraten möchte.

„Wilde Tiere“ baut zum ersten Mal seit langem wieder lebensgefährliche Situationen auf. In die erste geraten Brändle und ihr französischer Kollege als sie sich ohne Untersuchungsgenehmigung daran machen, die „wilden Tiere“ auf einer Farm zu finden. Das ist relativ leichtsinnig, der Franzose wird angeschossen. Auch das Finale führt zu einer professionelleren aber nicht weniger gefährlichen, Szene. Beides sorgt für ein hohes Maß an Spannung.

Brändles Affäre wirkt übertrieben. Es handelt sich um einen verheirateten Anwalt. Von Anfang an ist deutlich, dass es Brändle nur um das Sexuelle der Angelegenheit geht. Seine Ankündigung, sich von seiner Frau scheiden zu lassen und Brändle heiraten zu wollen, wirkt dann auch etwas wirklichkeitsfremd. Das wäre alles noch in Ordnung, erschiene der Anwalt am Ende des Krimis nicht als großer Verteidiger Finkbeiners. Dadurch wirkt dieser Teil des Tatorts unangenehm konstruiert.

Finkbeiners „Vergehen“ thematisiert ein ethisches Problem. Ist es in Ordnung, Folter anzudrohen, um ein Menschenleben zu retten? Die Gesetze sagen ganz eindeutig nein. Deswegen wird Finkbeiner nachdem das Protokoll auftaucht nicht nur angeklagt, sondern Brändles Affäre weigert sich zum Beispiel auch den Fall zu übernehmen, weil er Folter nicht gutheißen kann (und keinen Fall verlieren möchte). Das zeugt zwar von einem zweifelhaften Berufsethos, zeigt aber auch welch harte Reaktionen die Folterandrohung auslösen kann. Man kann beinahe sagen, dass der Tatort leider bei diesem Thema nicht in die Tiefe geht. Finkbeiner stellt sich am Ende natürlich als unschuldig heraus. Einzig sein Kollege hat, ohne Finkbeiners Wissen, Folter angedroht. Als Praktiker betont Finkbeiner zum Schluss jedoch, dass er in der Situation genau so gehandelt hätte. Darauf folgt keine Diskussion mit Brändle, sondern schlicht das Ende des Falls. Das hätte man besser machen können.

„Wilde Tiere“ ist also ein spannender Krimi, der an einigen Stellen arg konstruiert wirkt und das Hauptthema nicht ausreichend behandelt. Dafür wird die Zeit genutzt, um gleich drei Fälle – inklusive einer bisher nicht erwähnten Nazi-Geschichte – zu lösen, was zu einem dichten und unterhaltsamen Erzähltempo führt.

Den aktuellen Radiotatort kann man sich auf der Homepage der Serie anhören.

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