Der Hobbit – Smaugs Einöde

„Smaugs Einöde“ setzt die Handlung des ersten Teils beinahe nahtlos fort. Die Zwerge, Bilbo und Gandalf werden noch immer von Orks verfolgt. Ihre Reise ihre Flucht vor den Orks führt die Gruppe durch den Düsterwald in die Seestadt Esgaroth und letztlich tatsächlich zum Berg Erebor, in dem der Drache Smaug lebt. Angereichert wird die Geschichte des Buches – um auf beinahe drei Stunden Handlung zu kommen – von Gandalfs Erkundung Dol Guldurs sowie der Elbin Tauril.

„Smaugs Einöde“ ist deutlich besser als der erste Teil. Noch immer ist die Handlung ausgesprochen langatmig geraten. Der Inhalt des Hobbits hätte nun einmal bestens in zwei Filme gepasst. Daher werden alle Actionszenen des Films auch in „Smaugs Einöde“ bis an die Grenze des Ertragbaren gestreckt. Vor allem die Flucht der Zwerge aus der Elbenfestung und der Kampf mit Smaug im Erebor sind ausgesprochen lang geraten. Dabei sind die Actionszenen diesmal sogar noch etwas gelungener als im Vorgänger. Das Problem an dieser Herangehensweise ist lediglich, dass die Dialoge des Films auf ein Mindestmaß gekürzt wurden und man sich noch immer nicht mit den Charakteren identifizieren kann.

Das fällt nun erstmalig auch negativ auf die Handlung zurück. Im Erebor wird bereits deutlich, dass der Schatz der Zwerge Thorin korrumpieren wird. Sein Wandel ist jedoch für den Zuschauer emotional kaum von Belang. Zu wenig hat man den Zwergenkönig, wie auch seine Mitstreiter in den vorherigen fünf Stunden kennengelernt, als dass man diesen Wandel intensiv bedauern könnte. Die Charaktere bleiben, wie auch im Roman, Stereotype, was ihnen emotionale Kraft nimmt. Es ist schade, dass die Ausdehnung der Handlung nicht dazu genutzt wurde, Charakterarbeit zu betreiben.

Die Nebenhandlung mit Gandalf hingegen ist sehr gelungen. Der Hobbit wird dadurch gradlinig als Vorgeschichte des Herr der Ringe erzählt. Fragt man sich beim Buch lange, ob überhaupt (neben Gandalf, Bilbo und Mittelerde) eine direkte Verbindung zum Herrn der Ringe existiert, wird das bereits im zweiten Film mit dem Auftreten Saurons deutlich.

„Smaugs Einöde“ profitiert zudem davon, dass mehr Handlungsorte rascher wechseln als im ersten Teil und dass die Handlung insgesamt spannender weil düsterer wird. Wurde die Gruppe zuvor nur von Orks verfolgt, kommen jetzt die Waldelben als (Halb)Feinde hinzu. Auch die Seestadt ist nicht nur optisch ein faszinierender Ort. Und natürlich ist der (zu lang geratene) Kampf mit Smaug eine optische Augenweide.

So ist „Smaugs Einöde“ alles in allem kein überragender Film, sondern weiterhin eine brilliant bebilderte, aber langatmig erzählte Geschichte. Er ist aber deutlich unterhaltsamer als „Eine unerwartete Reise„.

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