1913 – Der Sommer eines Jahrhunderts (von Florian Illies)

1913Florian Illies präsentiert mit diesem Buch eine Chronik des Jahres 1913, dem Jahr vor der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Sein Schwerpunkt liegt nicht auf politischen Ereignissen, die vielleicht Hinweise darauf geben könnten, wie es zum Ausbruch des Weltkrieges kommen konnte. Das überlässt Illies Historikern.

Stattdessen werden hauptsächlich aus Anekdoten aus dem kulturellen Leben vor allem in Deutschland, Österreich und Frankreich des Jahres 1913 erzählt. Das geschieht in kurzen Absätzen, nach Monaten geordnet und in einem leichten, oft ironischen Stil. Deutlich wird dadurch, welche Umbrüche in Kunst und Kultur im Jahr 1913 geschahen oder ihren Anfang nahmen.

Die Banalität der Ängste und Sorgen überrascht. Aber auch der Überdruss über die eigene Situation wird deutlich. Wie heutzutage das „Burn-Out“-Syndrom zog sich eine Erschöpfungserscheinung durch die Avantgarde. Kunst zu produzieren, kann eine Qual sein.

Illies verzichtet in seinem Werk auf direkte Quellenangaben, die die Leichtigkeit der Lektüre behindert hätten. Dadurch muss man dem Kunsthistoriker, viel Vertrauen entgegenbringen. Immerhin, am Ende des Buches findet sich eine Literaturliste. Dort versteckt sich neben vielen, überraschend aktuellen Titeln auch das Schlichte www.wikipedia.de als Quelle. Eine kleine Überraschung nach vielen Seiten Hochkultur.

Die Geschichten aus dem (überlieferten) Alltag der pulsierenden Kunstwelt 1913 stellen keine These auf, bilden gebündelt keinen roten Faden. Sie laden viel mehr ein, sich mit denjenigen Künstlern des Jahres zu beschäftigen, von denen man bis dahin noch nicht viel gehört hat, beziehungsweise das Wissen über die bekannten aufzufrischen. Das ist dank vieler, teils bissiger Kommentare unterhaltsam und regt gelegentlich zum Schmunzeln an.

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