Ginger Cow (South Park)

Um Kyle zu ärgern, stellt Cartman eine Kuh in South Park als rothaarig da. Was wie ein harmloser Spaß wirkt, hat bald unglaublich Auswirkungen: Juden, Christen und Muslime beenden ihre Streitigkeiten und versöhnen sich – da eine alte Legende von dieser Kuh sprach. Cartman droht den Betrug zu enthüllen, wenn sich Kyle ihm nicht komplett unterwirft und sich regelmäßig von ihm demütigen lässt. Willig – für den Weltfrieden – lässt sich Kyle entwürdigen. Doch stellt sich Kyle selbst eine Falle: In dem er behauptet, die Kuh wäre echt, zerstört er den fragilen Frieden – die Prophezeiung lautete nämlich, das sein dicker Junge eine Kuh verkleidete.

„Ginger Cow“ überrascht zunächst durch ihr Tempo. Selbst für eine „South Park“-Episode wird der Frieden im Nahen Osten in überraschend kurzer Zeit erreicht. Gleichzeitig ist die Episode an vielen Stellen in der ersten Hälfte wirklich lustig. Ähnlich überzeugend ist die, weniger witzige, zweite Hälfte.

Denn hier tritt einmal mehr Cartmans Bosheit zutage. Auf eklige Art entwürdigt er Kyle, dieser muss sich regelmäßig ins Gesicht furzen lassen. Das wird beinahe etwas zu stark ausgebreitet. Die Abscheu, die man am Anblick der Taten Kyles empfindet, ist stark. Es wird nicht besser, dass Kyle alles ohne Widerstand über sich ergehen lässt. Er fühlt sich persönlich als Retter des Frieden. Interessanterweise führt genau das – nicht das er sich ins Gesicht furzen lässt – dazu, dass sich seine Freunde beinahe von ihm abwenden. Sie können mit seiner Art, sich wie ein Heiliger aufzuführen, der gerne leidet, nicht umgehen.

Die Frage, ob es richtig ist, sich für den Frieden so zu entwürdigen, wird nicht von den Charakteren angesprochen, dominiert aber die zweite Hälfte der Folge. Auf den ersten Blick scheint Kyles Opfer sehr ehrenwert. Es ist sehr verständlich, dass er einen Weg finden muss, mit seiner Situation leben zu können. Dabei verfällt er in eine Art selbstzufriedene Gleichgültigkeit, die auf Außenstehende recht verstörend wirkt – zumal er ja nicht offen legt, warum er sich demütigen lässt. Während man zunächst mit Kyle leidet, drängt sich dadurch natürlich die Frage auf, ob Kyle nicht hauptsächlich nach einem Sinn in seinem Leben gesucht hat. Möchte er nicht tatsächlich lediglich zeigen, wie moralisch erhaben er ist? Diese Motivfrage wird nicht geklärt. Am Ende ist Kyle enttäuscht wie sich die Ereignisse entwickelt haben – aber das liegt natürlich in erster Linie daran, dass es im Nahen Osten wieder gewalttätige Konflikte gibt.

Insofern ist „Ginger Cow“ eine Episode mit hohem Tempo, die die erste Hälfte auf lustige Weise unterhält und in der zweiten Hälfte – selten für „South Park“-Folgen in letzter Zeit – zwischen verstörend und nachdenklich wechselt.

Die kompletten Episoden der Serie sind auf southpark.de kostenlos ansehbar.

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