Das grüne Zimmer (ARD-Radiotatort)

das grüne zimmerNebe ist umgezogen. Er wohnt nicht mehr in einem Hotel, sondern in einer alten Jugendstilvilla. Das Gebäude trägt ein kleines Geheimnis: Der Sohn des Fabrikanten, dem es einst gehörte, brachte sich im November 1963 mithilfe eines Scheiterhaufens um. Wenige Tage nach Nebes Einzug brennt eine Scheune in Rotenburg ab. Der Feuerwehrmann witzelt, dass jedes Jahr um die Zeit eine Scheune Feuer fängt. Und tatsächlich findet Nebe in den Polizeiakten, dass jeden Jahr am selben Tag eine Scheune in Rotenburg brennt. Die Suche nach der Ursache führt ihn zu einem dunklen Geheimnis.

Der aus der Ich-Perspektive erzählte Radiotatort ist so gemächlich wie der Ort, in dem er spielt. Nebe langweilt sich auf seinem Revier, das ist der einzige Grund, warum er der Sache überhaupt nachgeht. In der dem angemessenen Ruhe verfolgt er auch die Indizien. Dem Hörspiel gelingt es, tatsächlich Betroffenheit für den grausamen Selbstmord zu wecken und diesen Stück für Stück zu dekonstruieren. Dabei gelingt es der Story zu keinem Zeitpunkt das Tempo nennenswert zu erhöhen. Stattdessen plätschert das Hörspiel gemächlich vor sich hin.

Der Aufbau des Lokalkolorits wirkt etwas bemüht. Da ist die putzige Postbotin, die flirtende Empfangsdame und der eifersüchtige Angestellte auf der Wache. Die Charaktere funktionieren einzelnd alle sehr gut. Zusammen erscheinen sie jedoch wie der Versuch, die etwas dünne Handlung in die Länge zu ziehen.

Die Auflösung des Falls ist hingegen sehr gelungen. Zunächst wirkt der Fall wie ein kompliziertes Rätsel. Kompliziert ist der Fall und vor allem das Vergehen tatsächlich. Die Auflösung hingegen läuft nach einem Geistesblitz Nibes von allein. Die Nebentäter stellen sich, der Täter begeht Selbstmord. Ans Licht kommt eine schwierige Situation, in der Jugendliche auf unverantwortliche Weise überreagiert haben und ihre Schuld jahrzehntelang verdeckt haben.

Die beinahe nebensächliche Auflösung überzeugt nicht nur dadurch, dass sie allen Erwartungen widerspricht. Auch das Motiv der Täter weckt einen gesellschaftlichen Missstand in Erinnerung, dessen Auflösung gar nicht so lange her ist und dessen Auswirkungen noch heute (zum Beispiel bei den derzeitigen Koalitionsverhandlungen) spürbar sind. Außerdem verdeutlicht der Fall, dass einige Verbrechen auch einfach durch die Langeweile von Polizisten gelöst werden können. Kein schöner Gedanke, wenn man an den Personalabbau im Öffentlichen Dienst denkt.

Der aktuelle Fall ist auf der Homepage der Serie herunterladbar.

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