Väter und Töchter (ARD-Radiotatort)

1024-1Annika de Beer besucht den ehemaligen Hauptkommissar Fischer im Krankenhaus. Rasch stellt sich heraus, dass es sich nicht um einen Höflichkeitsbesuch handelt. Annika steckt in der Klemme: Nach ihrer Mutterschaft wurde sie mit einem schwierigen Fall konfrontiert. Eine Magdeburgerin und ein Russe wurden in der Wohnung der Frau tot aufgefunden. Annikas Ermittlungen stecken nicht nur in einer Sackgasse, aufgrund eines Fehlers wird nun zudem ein unschuldiger Russe abgeschoben. Obwohl sie wenig Lust hat, sich Vorhaltungen von dem verbitterten Fischer machen zu lassen, wendet sie sich an ihn.

Die Folge ist ein starkes Kammerspiel. Die Haupthandlung spielt ausschließlich in dem Krankenhaus. Zunächst geraten Fischer und de Beer stark aneinander. Alte Konflikte kommen wieder hoch, werden aber überzeugend gelöst. In der Folge ist die Atmosphäre zwischen den beiden Polizisten sehr überzeugend und trägt das Stück.

De Beer hat während der Ermittlungen mehrmals ihre Kompetenzen überschritten. Am stärksten geschah dies, als sie eigenmächtig nach Russland reiste. Während sie diese Reise zunächst als ergebnislos abtat, findet Fischer in ihren Erzählungen noch einige Hinweise. Gemeinsam können de Beer und der kranke Frührentner Fischer die meisten offenen Fragen des Falles klären, indem sie die Details des Falles noch einmal durchgehen.

Bis zum Ende bleibt die Lösung des Falles unklar. Selbst die sehr plausiblen Überlegungen der beiden Protagonisten sind noch nicht endgültig bewiesen. Alles scheint darauf hinzudeuten, dass es sich trotz Waffenhandels des Russen nicht um einen Einsatz der Russenmafia handelte, sondern um eine Liebes- und Familientragödie. Endgültig aufgeklärt werden kann der Fall aus dem Krankenzimmer nicht.

Dafür bietet die Unterhaltung zwischen Fischer und de Beer aber nicht nur gute Unterhaltung, sondern zeigt auch anschaulich, wie weit man durch bloßes Rekapitulieren von Beobachtungen und Fakten sowie einem gesunden Maß an Fantasie neue Sichtweisen auf Dinge erarbeiten kann. Die zudem sehr gelungene Arbeit an dem Verhältnis zwischen den beiden ungleichen Charakteren macht diesen Radiotatort zu einem sehr guten Hörspiel.

Den aktuellen Fall kann man sich auf der Homepage der Reihe herunterladen.

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