Er ist wieder da (von Timur Vermes)

048280468-er-ist-wieder-daAdolf Hitler wacht im Jahr 2011 mitten in Berlin auf. Der Leser begleitet ihn bei seinen Bemühungen, Deutschland wieder nach seinen Vorstellungen zu verändern. Dabei gerät Hitler in die Fänge eines TV-Senders, der ihn für die ideale Comedy-Nummer hält. Während Hitler selbst also glaubt, die Köpfe der Deutschen zu erreichen, sieht die Nation in ihm eine genial-komische Adaption des grausamen Diktators.

„Er ist wieder da“ ist fast durchgehend unglaublich lustig. Zunächst sind es Hitlers Gehversuche in der heutigen Zeit, die von Fußballtrikots (er nimmt an, eine Mutter hat ihrem Sohn den Namen auf das T-Shirt gestickt) bis zur Computer-Nutzung reichen, die den Leser amüsieren. Später sind es die genialen Missverständnisse, in denen alle ihn für einen Komiker, der nie aus seiner Rolle fällt, halten, während es Hitler natürlich ernst meint.

Gleichzeitig ist der Roman aber auch erschreckend. Denn auf der einen Seite lacht man tatsächlich am Ende – wie auf dem Klappentext versprochen – nur noch mit Hitler, obwohl dieser sein menschenverachtendes Menschenbild zu keinem Zeitpunkt revidiert. Außerdem sind die Reaktionen auf sein Bühnenprogramm größtenteils positiv. Viele Meinungen betonen dabei auch, dass Hitler inhaltlich mit seiner Kritik richtig liegt.

Die Anschlussfähigkeit nationalsozialistischen Gedankenguts an aktuelle Diskussionen wird dann auch zur Genüge deutlich gemacht. Bekanntlich versuchten in der Frühzeit der Grünen, Nazis die Partei zu übernehmen. Kein Wunder also, dass auch Adolf Hitler am meisten Sympathien für die Partei hat, die den deutschen Boden beschützen möchte. Die Szene, in der er ein Interview mit Renate Künast führt, gehört zu den Höhepunkten des Romans.

Hitlers Einsatz gegen soziale Missstände sowie seine Beurteilung der Parteien betont aber den fragilen Stand unser vermeintlich gefestigten Demokratie. Der Teil der Politik, der sich mit den Alltagssorgen der Menschen beschäftigt, geht in der medialen Diskussion meist unter. Insofern ist es für einen geborenen Demagogen wie Hitler ein Leichtes sich auf 50er Zonen vor Schulen und ähnliche Probleme zu stürzen und sie für sich zu nutzen.

„Er ist wieder da“ ist ein unterhaltsamer Roman, der sich lustig und leicht liest. Gleichzeitig ist er aber eine bitterböse Kritik an unserer Gesellschaft, die statt politischer Diskussionen lieber Satire guckt und die für braunes Gedankengut weitaus empfänglicher ist als man zugeben möchte.

 

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