Vielfalt und Ideen?

spdPeer Steinbrück stellt sein Kompetenzteam in kleinen Schritten vor. Mittlerweile sind vier Namen bekannt. Ein Gewerkschafter, eine Professorin und zwei Politiker bilden bisher das Team. Kritisiert wurde dabei vor allem, dass der IG Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel Steinbrücks Politik einst abgelehnt hat. Seine Aufnahme in das Team schwäche somit das Profil der SPD, mache sie für bürgerliche Wähler deutlich unattraktiver.

Abgesehen von der unbeantworteten Frage, was denn nun genau ein bürgerlicher Wähler ist, verwirrt diese Sicht auf Wiesehügel sehr. Denn eigentlich ist eines Gewerkschaftsvorsitzenden im Team eines SPD-Kanzlerkandidaten eine kleine Sensation. Noch 2009 wäre das nicht denkbar gewesen. Dabei muss die Entscheidung nicht automatisch für einen Linksruck der Partei stehen. Sicherlich, die SPD hat einige Positionen korrigiert. Das gilt aber auch für ihren Kanzlerkandidaten, der ebenfalls einige Positionen aus seinen Ministertagen geändert hat.

Stattdessen hat die SPD in diesem Jahr die Chance, mit einem Team anzutreten, das die ganze Breite des Parteispektrums abdeckt. Guckt man auf frühere SPD Erfolge zurück, dann ist diese Breite nötig, um die Wahl zu gewinnen. Nicht umsonst rauften sich Lafontaine und Schröder vor der Bundestagswahl 1998 zusammen, um die Regierungsverantwortung zu erstreiten. Die SPD ist nur dann stark, wenn sie möglichst breit im linken Raum aufgestellt ist.

Es kommt aber nicht nur auf die Vielfalt in der SPD Führungsriege an. Auch an Ideen darf es nicht mangeln. Peer Steinbrück hat am Wochenende zwei wichtige Projekte, die sofort nach der Wahl umgesetzt werden können, genannt: den gesetzlichen Mindestlohn und ein Gehältergleichstellungsgesetz. Zweites übrigens hätte man von dem Finanzminister Steinbrück während der großen Koalition nicht erwarten können. Heute kann man von der derzeitigen Regierungskoalition solche Projekte aber ebenfalls nicht erwarten. Wann immer ein Problem auftaucht, wird es nur im besten Fall erkannt und dann meist so lange ignoriert oder verschoben, bis sich die Diskussion von selbst beendet. Das galt für die Frauenquote in Aufsichtsräten genau so wie für Pläne eines Mindestlohns der CDU.

Die SPD tut also gut daran, ihre Stärken, die personelle Vielfalt und den größeren Ideenreichtum, in der Zeit bis zur Bundestagswahl stärker zu betonen. Das wird ihr aber keinen Erfolg bringen, wenn das Image des Kanzlerkandidaten nicht bald verbessert wird. Im September 2012 noch stand Peer Steinbrück für Seriosität, Fachwissen und Standfestigkeit. Heute ist davon nur wenig übrig. Er hat den Einfluss der Medien auf seine Position kolossal unterschätzt. Gute Ideen sind immer nur der Anfang. Steinbrück täte gut daran, sich mit seinem Team auch als Team-Mensch zu inszenieren, also als ein Kanzlerkandidat, der in der Lage ist, Probleme mit anderen zusammen zu lösen und die Ideen der Partei auch energisch und mit dem Fachwissen, das er besitzt, umzusetzen.

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