Länderbericht Frankreich (von Adolf Kimmel und Henrik Uterwedde (Hg.))

länderbericht FrankreichKurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr hat die Bundeszentrale für politische Bildung eine neue Auflage ihres Länderberichts Frankreich herausgegeben. Die meisten Beiträge sind daher recht aktuell und reichen bis kurz vor die Wahl Hollandes zum Staatspräsidenten. Das Buch ist vier Abschnitte unterteilt, die jeweils aus mehreren Artikeln bestehen. Jeder Artikel ist von einem anderen Wissenschaftler verfasst, dabei kommen sowohl deutsche als auch französische Forscher zu Wort.

Der erste Teil ist mit dem großen Wort „Grundlagen“ betitelt. Als Einstieg haben die Herausgeber zum Beispiel einen geographischen Artikel gewählt. Dem Leser wird hier näher gebracht, inwiefern die räumliche Struktur Frankreichs bestimmte Entwicklungen in Frankreich bestimmt hat. Dabei wird tatsächlich sehr auf Grundlagen, in diesem Fall geographischer wie Klima und Vegetation eingegangen.

Nach dem Einstieg geht es mit dem „Politischen System“ weiter. Hier werden die politische Kultur Frankreichs, die Verfassung und die Dezentralisierungstendenzen eben so behandelt wie das Parteiensystem, die Interessensgruppen und die französischen Medien. Dabei ist vor allem der letzte Beitrag besonders interessant, der einen Einblick in den sehr geschlossenen Medienzirkus Frankreichs gibt. Isabelle Bourgeois arbeitet in dem Artikel heraus, warum die französische Hauptstadtpresse (zurecht) nur wenig Vertrauen genießt und warum es dennoch nicht die Großkonzerne, zu denen die wichtigsten Zeitungen gehören, sind, die die Berichterstattung beeinflussen. Stattdessen geschieht dies durch ein informelles Netzwerk der Elite, in dem eine „Geheimniskultur“ gepflegt wird.

Der längste Abschnitt, „Wirtschaft und Gesellschaft“, befasst sich zunächst mit der wirtschaftlichen Entwicklung Frankreichs seit dem zweiten Weltkrieg und geht danach auf die Situation der französischen Wirtschaft in der Globalisierung ein. Danach beschäftigten sich zwei weitere Artikel mit dem Sozialmodell Frankreichs sowie den Herausforderungen, denen der französische Wohlfahrtsstaat ausgesetzt ist. Daran schließen sich drei einzelne Beiträge, die sich mit den Auswirkungen der Immigration auf die französische Gesellschaft, dem Bildungssystem und der Rolle der Kultur in der französischen Gesellschaft auseinandersetzen. Wieder ist der letzte Beitrag ganz besonders interessant, das er unter anderem die spannenden Bemühungen Frankreichs, Hochkultur jedem zugänglich zu machen, ebenso skizziert wie den ständigen Kampf Frankreichs darum, die eigenen Kultursubventionen gegen internationale Liberalisierungsabkommen zu schützen.

Abschließend wird „Frankreich im internationalen System“ betrachtet. Dabei beginnt der erste Artikel allgemein mit Frankreichs Blick auf die Welt und seinen generellen Leitideen. Der Abschnitt wird dann Stück für Stück konkreter, behandelt erst die Instrumente der französischen Außenpolitik, Frankreichs Rolle in der Europäischen Union und abschließend die deutsch-französischen Beziehungen. Dieser letzte Artikel des Abschnitts stellt dann auch den Abschluss des Sammelbandes dar. Leider wiederholen sich in diesem Teil häufig die Leitmotive der französischen Außenpolitik. Am Ende dürfte wirklich jeder verstanden haben, wie wichtig das Prinzip der Souveränität für die französische Politik ist und warum es den Franzosen daher so schwer fällt, sich internationalen Strukturen zum Beispiel in der NATO unterzuordnen.

Der „Länderbericht Frankreich“ beleuchtet die wichtigsten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Facetten unseres Nachbarlandes. Die Beiträge informieren konzentriert und auf einem hohen Niveau über die aktuelle (Stand: 2012) Lage. Wem das nicht genug ist, der findet nicht nur im Quellenverzeichnis Anregungen zur weiteren Lektüre, jeder Artikel hat am Ende noch eine Liste mit Literaturempfehlungen, die nicht unbedingt im Artikel aufgegriffen wurden, das Thema jedoch fortführen. Ein wichtiger Punkt in den meisten Artikeln ist es, die Mentalität der Akteure in Frankreich darzustellen. Dadurch sind einem die Vorgänge in unserem Nachbarland nach der Lektüre deutlich klarer. Dafür lohnt sich die Lektüre.

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