Kontermann (ARD-Radiotatort)

kontermannDie Polizeieinheit in Hamm hat nichts zu tun. Man überlegt, einmal mehr im Archiv nach ungelösten Fällen zu forschen, als plötzlich das gesamte Team von einem Unbekannten als Geiseln genommen wird. Der Geiselnehmer stellt sich als entflohener Sträfling heraus, der nach seinem Sohn fahndet. Kontermann, so der Name des Verbrechers, hat einst bei einem Banküberfall zwei Polizisten kaltblütig erschossen und dafür lebenslänglich erhalten. Nun hält er das Leben der vier Hammer Polizisten in seinen Händen. Zweien erlaubt er, die Wache zu verlassen, um innerhalb weniger Stunden seinen Sohn ausfindig zu machen. Ansonsten droht er die zurückgebliebenen beiden Polizisten Latotzke und Vorderbäumen zu erschießen.

Das Revier in Hamm wirkt zunächst immer mehr bemüht als realistisch. Hier finden sich drei Polizisten, die in ihrer Karriere schwere Fehler gemacht haben und der etwas einfach gestrickte Latotzke. Bis auf das Hammer Urgestein Latotzke wollen alle die Stadt baldmöglichst verlassen, da sie zu langweilig sei. Gleichzeitig geschehen hier häufig die krassesten Fälle. Auf Dauer ist das nicht unbedingt überzeugend. Immerhin ist das Überraschungselement jedes Mal groß, wenn etwas geschieht. Auch in „Kontermann“ ist man daher sehr überrascht, dass dieser plötzlich das Revier betritt und alle Polizisten als Geisel nimmt.

Ein Großteil der Zeit des Krimis wird auf Radioansagen verwendet. Hierbei unterhält sich eine Moderatorin vor Ort mit einem Moderator, der das soziale Netz durchsucht. Das nimmt zu viel Platz ein, der Informationsgehalt ist meist gering. Vor allem erscheint es unsäglich albern, wie weit die Internetnutzer der Polizei gelegentlich voraus sind. Letztlich erhalten die Radiomitarbeiter ihre Informationen hauptsächlich über das Netz, da das LKA eine Informationssperre verhängt. Woher aber die Twitternutzer zum Beispiel ein Bild des Geiselnehmers haben und ihn damit von über zehn Jahre alten Fotos aus Berichten über den Banküberfall erkennen können, ist völlig schleierhaft. Dieser Teil des Tatorts ist sehr ärgerlich.

Eine ordentliche Geschichte ist die SUche nach Kontermanns Sohn. Dieser ist mit italienischen Kriminellen in Kontakt geraten und hat den Sohn eines Familienpatrons getötet. Zunächst stochern Lenz, mit Fahne, und Scholz, der Zocker etwas im Dunkeln. Bald verdichten sich jedoch die Hinweise darauf, dass Martin Kontermann seinem Vater nachgeeifert hat: Auch er hat einen Mord begangen und den Sohn des Italieners nicht etwa aus Notwehr getötet. Scholz setzt alles auf eine Karte und konfrontiert Kontermann damit.

Hier trifft die Hauptgeschichte auf den überzeugendsten Teil des Tatorts. Kontermann verdächtigt Latotzke zunächst, ihn betrügen zu wollen. Er kann nicht glauben, dass sich ein Polizist so dämlich verhält wie Latotzke und Kontermann sogar vor einem tödlichen Schuss der Sondereinheit der Polizei rettet. Scholz kann das ebenfalls nicht wirklich fassen und wird immer ärgerlicher. Während Latotzke davon überzeugt ist, eine Verbindung zu Kontermann aufzubauen und in seiner Naivität tatsächlich glaubt, Kontermann sei ein guter Mensch, lernt auch der Zuhörer Kontermann etwas besser kennen. Man erfährt, dass er die Polizisten bei einer Rückkehr zur Bank getötet hat, um einen Kollegen zu decken. Dieser ist immer noch in Freiheit. Etwas Anstand kann man in Kontermann also entdecken. Als er davon erfährt, dass auch sein Sohn ein Mörder ist, weiß er, dass es für ihn aus ist. Unter den entsetzten Augen Latotzkes geht er freiwillig in die Schussbahn der LKA-Sondereinheit und wird getötet. In diesem Handlungsstrang, dem leider weniger Zeit zugestanden wurde, entsteht so etwas wie Dramatik und Spannung.

„Kontermann“ ist ein solider Tatort, der eine ordentliche Haupthandlung aufweist, mit vielen Radioszenen nervt und am Ort der Geiselnahme richtig spannend aufbaut. Alles in allem sorgt das für solide Unterhaltung, die jedoch ausbaufähig ist.

Den WDR-Radiotatort gibt es bis 12 Monate nach Erstaustrahlung auf der Seite der Serie zum Download.

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