Im Exil (von David Weber)

im exilHonor Harrington wurde nach den Ereignissen aus „Mit Schimpf und Schande“ auf den Planeten Grayson verbannt. Dieser ist zwar mit den Manticorianern verbündet, gehört aber nicht direkt zum Königreich. Honor hat die christlichen Fanatiker auf Grayson einst gegen die Haveniten verteidigt. Obwohl die Grayoner große Vorbehalte gegen Frauen in verantwortlichen Positionen haben, wurde sie als Dank zu einer der Gutsherren des Planeten ernannt. Auf dieses Gut zieht sie sich nun herum. Während der Herrscher des Planeten sie als glänzendes Beispiel für seine Reformpolitik anführt, planen religiöse Fanatiker bereits ihren Untergang. Derweil nimmt der Krieg Manticores gegen die Haveniten eine ungünstige Wendung: Die Haveniten gehen wieder in die Offensive, sie haben sogar einen geheimen Plan, mit dem sie Grayson endgültig erobern könnten.

„Im Exil“ ist ein äußerst umfangreicher Roman. Wie in den ersten drei Romanen der Serie muss sich Honor um den Aufbau der Gefechtbereitschaft in einem System kümmern. Diesmal wird sie von keinem Vorgesetzten behindert, da die Grayson sie in den Rang eines Admirals erheben. Die Navy von Grayson hat jedoch kaum Erfahrung und so ist die Aufgabe auch ohne übergeordneten Widerstand äußerst schwierig für Honor.

Bis der Roman jedoch an dieser Stelle ist, vergeht viel Zeit. Weber nimmt sich nämlich viel Platz, um die Ereignisse auf Grayson zu beschreiben. Honor möchte ihren Gastgebern etwas zurückgeben. Mit ihrem eigenen Vermögen finanzierte sie daher Testkuppeln, die die Bewohner des Planeten vor dessen lebensfeindlicher Strahlung schützen sollen. Die Fortschritte sind enorm und Honor, obwohl nicht Mitglied der Kirche der fundamentalistischen Grayson, erwirbt sich so viel Respekt.

Doch die Fanatiker auf dem Planeten legen ihr mehr und mehr Steine in den Weg. Es verwundert den Leser daher in keiner Weise, dass sich die öffentliche Meinung rasch gegen Honor wandelt, als sie den Posten als Admiral annimmt. Aus dem All kann sie sich schwerer verteidigen. Zudem gelingt den Fanatikern ein perfider Terroranschlag, der zunächst Honor in die Schuhe geschoben wird.

Dramatisch werden all diese Ereignisse für den Leser, da er bereits auf dem Buchrücken gelesen hat, dass die Haveniten einen weiteren Angriff auf das System planen. Während die Hälfte der graysonitischen Navy auszieht, um benachbarte Sternensystem vor überraschenden havenitischen Angriffen zu schützen, weiß der Leser, dass dies eine Falle ist.

Daher wartet der Leser gebannt auf die große Invasion des Systems. Honor gelingt es nur ganz knapp bevor dem Einfall der Haveniten, ihre Feinde auszuschalten. Das geschieht einmal mehr in einem Duell, in dem sie ihren größten Gegner, der sie herausgefordert hat, in einer überraschend kurzen Sequenz enthauptet. Das bleibt jedoch nicht die einzige Überraschung des Romans.

Die Haveniten haben sich nämlich verrechnet. Sie gingen davon aus, dass die Grayson ihre gesamte Flotte abgestellt haben. Nur deswegen kann Honor die havenitische Flotte in eine Falle locken und einen Großteil von ihr zerstören. Ein zweites Gefecht verhindert sie geschickt, in dem sie den Gegner mit einem Trick verunsichert. Dieser kann nur gelingen, da der Kommandant des Schiffes vor den politischen Kommissaren, die während des Umsturz in den vergangenen Bänden in der Republik Haven an Macht gewonnen haben, Angst hat. Die Volksrepublik ist also wieder einmal nicht nur an Honor, sondern auch an sich selbst gescheitert.

„Im Exil“ bietet keine neue innovative Handlung. Stattdessen wird das sehr gute und altbewährte Konzept der Serie in einem neuen Setting und mit Honor als Admiral zu einer spannenden Geschichte zu einem dramatischen Höhepunkt geführt, in dem das Nichteintreten einer Konfrontation der gelungenste Moment ist. Der Roman reiht sich somit ein in die nun mehr fünfbändige Reihe sehr guter „Honor Harrington“-Romane.

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