Hitchcock

1959 scheint Alfred Hitchcock auf dem Höhepunkt seines Erfolges zu sein. Erste Stimmen raten ihm, besser jetzt den Ruhestand anzutreten, bevor er sein Werk selbst verwässert. Dies trifft den „master of suspense“ hart, er glaubt, noch Großes vollbringen zu können. Und so macht er sich auf die Suche nach neuem Stoff und findet diesen in der Form des Romans „Psycho“. Doch Hitchcock scheint der Einzige zu sein, der an den Erfolg der Verfilmung glaubt. Sein Studio, Paramount, möchte ihm das Geld dafür nicht geben. Also nimmt Hitchcock eine Hypothek auf sein Haus auf und dreht den Film mit eigenen Mitteln. Während er sich mit seinen Sexual- und Gewaltfantasien herumplagt, entfernt er sich zunehmend von seiner Frau Alma.

Der Film basiert auf einem Sachbuch über die Entstehung von Hitchcocks bekanntestem Film. Tatsächlich ist die Entstehungsgeschichte beeindruckend. Niemand glaubt an den Erfolg des Filmes und doch entscheidet sich Alfred Hitchcock dazu, seine gesamte Existenz zu riskieren, um dieses Werk zu drehen. Dabei macht „Hitchcock“ sehr deutlich, dass der Regisseur dies hauptsächlich aus egoistischen Motiven macht. Es geht ihm nicht darum, sein Alter abzusichern. Es ist einzig und allein sein Ehrgeiz, der Welt zu zeigen, dass er noch immer der Meister seines Faches ist und mit Innovationen mithalten kann, der ihn antreibt, diesen Film zu drehen.

Dabei kann Hitchcock nur in Freund und Feinde einteilen. Man ist entweder für oder gegen ihn. Für ihn gibt es nichts anderes als dieses Projekt. Dabei vernachlässigt er seine Frau. Es scheint nicht so, als hätte er sich vorher viel um sie gekümmert. Nun aber gibt er ihr das Gefühl, gar nicht mehr gebraucht zu werden. Stattdessen bearbeitet Hitchcock das Projekt allein und gibt sich immer mehr seinen Sexualfantasien mit seinen Schauspielerinnen hin.

Seine Gattin Alma, die immerhin mit ihm ihre Existenz aufs Spiel setzt, sieht sich hingegen den Avancen Withfield Cooks ausgesetzt. Dieser charmante Autor bemüht sich um ihre Hilfe bei einem Drehbuch, außerdem macht er ihr auch sexuelle Avancen. Alma lässt sich beinahe auf eine Affäre ein, bis sie Withfield mit einer anderen Frau sieht und dadurch erkennt, dass er sie lediglich ausgenutzt hat. Obwohl ihre Loyalität zu ihrem Mann gelegentlich zur Frage gestellt wird, begeht sie keinen einzigen Fehler im Film.

Daher ist Hitchcocks Schimptirade ihr gegenüber, in der er ihr vorwirft, ihn nicht zu unterstützen alles andere als fair. Er fantasiert schließlich ständig über andere Frauen. Insgesamt wird der Meister-Regisseur in dem Film nicht gut dargestellt. Abgesehen von dem bereits erwähnten Egoismus, erlebt man in dem Film zudem seine Gewaltfantasien und seine Fressucht. Er öffnet sich gegenüber niemandem, sondern zieht sich immer mehr in seinen Job zurück.

Leider gelingt es dem Film nicht, eine überzeugende Atmosphäre aufzubauen. Es wird versucht, etwas Spannung hochzuhalten. Doch man weiß nun einmal, dass Psycho ein Erfolg werden wird. Außerdem ist klar, dass Hitchcock trotz seiner Fantasien nicht auf einmal zu einem Mörder wird. Der Ehekonflikt im Hause Hitchcock weiß zudem nicht überzeugen, weil der Regisseur immer klar im Unrecht ist. Hier hätten einige Schattierungen und ein komplexerer Konflikt dem Film sehr gut getan.

„Hitchcock“ ist ein ordentlicher, gelegentlich unterhaltsamer Film. Die Entstehungsgeschichte Psychos ist ganz interessant, trägt aber alleine noch keinen Konflikt. Die Haupthandlung, das Psychobild Hitchcocks und der Ehekonflikt, bleiben trotz der guten Leistung der Schauspieler sehr blass und wissen kaum zu überzeugen. Insgesamt fehlt dem Film dadurch das gewisse Etwas und lässt ihn belanglos wirken.

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