Der Schläfer (ARD-Radiotatort)

der schläferMustafa al Harb wird grausam ermordet im Wald aufgefunden. Alles deutet daraufhin, dass der junge Muslim einem Ritualmord zum Opfer gefallen ist. Bei Kriminaloberrat Finkbeiner und seiner Kollegin Brändle schlagen die Emotionen hoch. Vor allem Brändle, die einst eine unerfreuliche Beziehung mit einem Muslim führte, regt sich sehr über das Milieu auf, in dem die beiden Polizisten ermitteln müssen. Denn bereits nach wenigen Stunden gibt es mit Mustafas strenggläubiger Familie, der von ihm düpierten Familie der arrangierten Gattin sowie seinem zum Islam konvertierten Mitbewohner drei Verdächtige mit möglichen islamistischen Motiven. Einzig der exentrische, aber auch den Islam beleidigende Kunstprofessor Ortenburg, bei dem Mustafa studierte, setzt sich in dieser Folge offensiv gegen die starken islamistischen Tendenzen der Verdächtigen ein.

Dieser Radiotatort wirkt relativ stereotyp. Der Professor ist zwar exentrisch, doch glaubt man zu keinem Zeitpunkt, dass er etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Diesen Verdacht versucht der Fall auch gar nicht erst aufzubauen. Stattdessen muss der Täter also aus einer der drei Familien kommen. Leider wird zu schnell deutlich, dass weder Mustafas Familie noch die seiner verschmähten Braut zu solch einer Tat in der Lage wären. Zum einen deuten die Hinweise in der Geschichte darauf hin, zum anderen wäre dieser Ausgang der Handlung auch für einen durchschnittlichen Radiotatort schlicht zu platt.

Demnach bleibt bereits nach der ersten Hälfte des Falles lediglich Manfred Müller als Verdächtiger erhalten. Der Konvertit gibt sich zwar gegenüber den Kommissaren gemäßigt, kann jedoch bereits in dem Gespräch seine fanatische Seite nicht unter Kontrolle behalten. So wettert er bei der ersten Erwähnung des Professors gegen dessen blasphemische Aktivitäten. So überrascht es dann nicht, dass das Finale aus einer Geiselnahme Ortenburgs durch Manfred Müller besteht.

In dem Höhepunkt des Krimis wird noch ein interessanter Punkt aufgeworfen. Müller macht mehrfach deutlich, dass er Allah hauptsächlich folgt, um das Gefühl zu haben, für irgendetwas im Leben gut zu sein. Seine Karriere hat mehrere Brüche, verschiedene Ausbildungswege hat Müller nicht geschafft. Daher fühlte er sich von der Gesellschaft ausgstoßen und unnütz. Erst bei den Salafisten fand er so etwas wie einen Sinn für sein Leben. Das ist zwar ein interessanter charakterlicher Zug, der hier jedoch lediglich erwähnt wird. Auf diese Erwähnung folgt nichts und das ist schlecht. Denn damit wird Müller unglaublich stereotyp.

Auf diese Weise erklärt uns der Krimi nämlich, dass ein Deutscher zum Islam lediglich übertreten würde, wenn er für sich sonst keine sinnvolle Position in der Gesellschaft finden kann. Und so merkwürdig es manchmal auch wirken mag, dass jemand ohne muslimische Erziehung zum Islam konvertiert, so kann es dafür doch vielfache Gründe geben. Dies zu zeigen, hätte eine interessante Seite dieses Radiotatorts sein können. Die Autoren haben das nicht gewagt.

So bleibt „Der Schläfer“ bestenfalls Mittelmaß, die Handlung ist nicht besonders spannend, da sie sehr vorhersehbar ist. Die Charaktere überzeugen aufgrund ihrer einseitigen Darstellung kaum. Das geht besser.

Die Folge ist nur noch bis heute abend auf der Homepage der Serie verfügbar.

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