Kleine Geschichte Frankreichs (herausgegeben von Ernst Hinrichs)

Das kleine Geschichtsbuch aus dem Reclam-Verlag hat den Anspruch, den Leser über 500 Seiten in die Geschichte Frankreichs einzuführen. Das beginnt mit Karl dem Großen und endet (da ich eine Ausgabe aus dem Jahr 2006 habe) mit einem spekulativen Ausblick auf die Präsidentschaftswahl 2007.

Der Herausgeber verweist dabei im Vorwort darauf, dass auf Ereignisse detaillierter eingegangen werden soll, je jünger sie sind. Sprich: Die Entstehung Frankreichs und die Zeit bis zur Franzöischen Revolution knapper als die darauf folgenden Epochen. Das ist ein lobenswertes Ziel und dennoch ist die erste Hälfte des Buches für den Leser äußerst anstrengend. Dabei finden sich durchaus interessanter Schilderungen in diesem Teil, die aus dem Geschichtsunterricht kaum bekannt sein dürften. In dieser Hinsicht ragen vor allem die Religionskriege heraus, die bürgerkriegsähnliche Zustände verursachten, hierzulande aber weitestgehend unbekannt sind beziehungsweise hinter den Erinnerungen an den 30-jährigen Krieg verblassen. Frankreich hatte diesen Konflikt aber praktisch ein halbes Jahrhundert vorher ausgetragen.

Dennoch wird man bis zum Auftauchen Ludwig XIV. mit vielen Königsnamen und dynastischen Überlegungen sehr verwirrt. Dabei ist positiv zu vermerken, dass die verschiedenen Autoren nicht nur die Ereignisse herunterbeten, sondern immer auch politische Vorgänge erklären und soziale Strukturen skizzieren. Das ist äußerst interessant, aber auf dem kurzen Raum arg verdichtet dargestellt, was die Lektüre sehr anstrengend macht. Zudem ist es schwierig, Erkenntnisse aus dem Buch zu behalten, wenn pro Seite viele Daten vorgestellt werden.

Die Darstellungen jüngerer Ereignisse (ab der Französischen Revolution) erhalten tatsächlich, gemessen an den Jahren mehr Platz. Dennoch wirken diese Ausführungen zu knapp. Denn mit der Etablierung der Republik und der institutionellen Politik abseits des Adels, werden die Vorgänge komplizierter und erfordern noch mehr Details als zuvor. Das wird vor allem auffällig bei der Zusammenfassung der Ereignisse seit dem zweiten Weltkrieg, bei denen man sich (gerade als jüngerer) Leser mehr Ausführungen wünschen könnte.

Beide Vorwürfe (zu viel und zu wenig) Informationen fügen dem Projekt der Autoren natürlich Unrecht zu. Denn auch 500 Reclam-Seiten reichen nicht aus, um alle Wünsche an einen Geschichtsüberblick Frankreichs zu erfüllen. Stattdessen muss man dieses Buch wohl als (teilweise anstrengend zu lesenden) Einstieg in die Geschichte Frankreichs betrachten. Wenn man etwas Interessantes entdeckt, muss man sich halt mithilfe des Quellenverzeichnisses selbstständig Details besorgen. Als Einführung ist das Buch zwar beinahe etwas überladen, bietet dafür aber halt viele Anknüpfungspunkte für eigene Recherchen.

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