James Bond: Skyfall

Auf einem Einsatz auf Ms Befehl angeschossen, wird James Bond gleich zu Beginn für Tod erklärt. Bond hat den Schuss jedoch erlebt, zieht sich jedoch erst einmal zurück. Erst ein Anschlag auf das MI6-Gebäude bringt ihn zurück in den aktiven Dienst. Obwohl er die Tests nicht bestanden hat, setzt M ihn auf den Mann an, der nicht nur eine Liste mit allen Undercover-Agenten besitzt, sondern auch in der Lage ist das sicherste Gebäude Großbritanniens anzugreifen. Es stellt sich rasch heraus, dass es ein ehemaliger Doppelnull-Agent ist, der dafür Rache an M üben möchte, dass sie ihn einst im Stich gelassen hat.

„Skyfall“ beginnt wie jeder Bond hektisch und endet damit, dass Bond von einer MI6-Agentin im Einsatz niedergeschossen wird. Dies geschieht, weil M skrupellos befiehlt, zu schießen, obwohl die Sicht nicht frei ist. Bond wird also, wie sein Gegenspieler im Film, beinahe ein Opfer von Ms Skrupellosigkeit. Anstatt deswegen jedoch zornig zu werden und sich ebenfalls zurückzuziehen, kehrt er in der Stunde größter Not zurück.

Das bietet eine Bühne für ein interessantes Duell. Zwei Agenten mit denselben Fähigkeiten, die vermutlich sogar dieselbe Lebensgeschichte haben. Beide werden von M verraten, Bond entscheidet sich für die Loyalität zum MI6, sein Gegner sinnt auf Rache. Daraus ließe sich ein grandioser Film machen.

Danach sieht es bis zu dem Moment, in dem der Gegenspieler auftaucht auch aus. Alle Zutaten eines guten Bonds sind da. Es gibt viel Action, eine merkwürdige Insel, auf der sich der Schurke aufhält und etwas Humor, der vor allem durch den neuen Q in den Film eingebracht wird. Zudem erhält der Film noch eine politische Handlung, da M von der britischen Politik unter Druck gesetzt wird. Ihre Methoden gelten als veraltet, außerdem wird sie dafür verantwortlich gemacht, dass die Liste der Undercover-Agenten gestohlen und das MI6-Gebäude angegriffen werden konnte. Doch dann stellt sich der Aufenthalt auf der Insel als äußerst kurz heraus. Das Bond-Girl wird abserviert, der Schurke verhaftet. Die Handlung spielt danach ausschließlich im Vereinigten Königreich.

Von da an bleiben die vielen guten Möglichkeiten des Films weitestgehend ungenutzt. Weder wird erklärt, warum Bond eisern loyal zum MI6 bleibt, noch wie es seinem Gegenspieler eigentlich gelingen konnte, so viele Anhänger um sich zu scharen. Außerdem wird das Grauen, das der ehemalige Agent Silva während seiner Gefangenschaft empfunden haben muss, wird nur kurz thematisiert – zu kurz, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sein Wahnsinn, wirkt zwar verständlich, aber nicht ausreichend authentisch, um ihm zu einem wirklichen Gegenspieler werden zu lassen. Zudem ist das Risiko in dem Film überraschend gering. Sicherlich, gibt es viele Verluste, aber Silva versucht gar nicht erst die klassische James-Bond-Bösewicht-Methode anzuwenden und irgendeine putzige Superwaffe aus dem Hut zu zaubern. Das macht den Film glaubwürdiger als viele seiner Vorgänger. Gleichzeitig sind dadurch im Finale auch nur James Bond und M bedroht. Das ist zwar spannend, aber nicht ganz so spannend, wie die gute, alte tickende Atombombe.

Letztlich dreht sich der Film also sehr um Ms Taten. Dabei bleib M viel zu blass. Sie versteckt sich den ganzen Film über hinter ihrer professionellen Fassade. Fehler möchte sie nicht zugeben. Erst am Ende wird sie etwas weicher, zu einer wirklichen Thematisierung ihrer Fehler kommt es jedoch nicht. Wie die Frage nach James Bonds unerschüttlicher Loyalität, bleiben auch ihre Motive ungeklärt. Das ist schade.

So kann der Film hauptsächlich in Nebenhandlungen auftrumpfen. Da ist in erster Linie die politische Handlung zu nennen. Es ist sehr gelungen, wie M einen Untersuchungsausschuss des Unterhauses danach fragt, ob sich die Politiker sicher fühlen. Was als merkwürdig, altmodische Panikmache gegeißelt wird, erweist sich gleich darauf als visionär, als Silva das Gebäude angreift. Am gelungensten ist jedoch das Ende des Films. Zum 50. Jubiläum der Reihe kehrt sie zumindest in der personellen Aufstellung zu ihren Ursprüngen zurück. Das kann natürlich nur durch viele Opfer gelingen, sorgt aber für ein breites Schmunzeln am Ende.

Insgesamt bietet „Skyfall“ das Maß an Action, das man von einem James Bond-Film erwartet. Das explosive Finale, mit vielen Kampfszenen, übertrifft die Erwartungen vielleicht sogar. Gleichzeitig verfolgt der Film die äußerst interessante Frage, wie skrupellos man bei der Landesverteidigung eigentlich vorgehen darf und wie man Gegner besiegt, die nicht bekannt sind. Beide Fragen, inklusive ihre Auswirkungen auf die Protagonisten Bond und M, werden leider unzureichend thematisiert, der Film bleibt an vielen Stellen hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das ist gutes Action-Kino, das die Chance verpasst, auch ein nachdenklicher Film zu sein.

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