Politik zum Selbermachen – Eine Gebrauchsanweisung (von Eva Leipprand)

Alle meckern über die Politik, kaum einer bringt sich selbst ein. Dabei gibt es bereits in der Kommune viele Möglichkeiten, sich zu betätigen. Eva Leipprands Büchlein über die Möglichkeiten der Kommunalpolitik ist eigentlich ein Bericht über die Abgründe derjenigen. Ein idealistischer Politikneuling erfährt in 22 Lektionen wie das „Geschäft“ funktioniert. Das ist gut so. Denn Leipprand bringt dem Leser so überzeugend näher, warum Politiker keine Idealtypen sind.

Jede Lektion ist in vier Teile geteilt. Zunächst wird eine Situation geschildert. Wenn man sich bereits mit Kommunalpolitik live auseinandergesetzt hat, also in Ortsvereinen oder Kommunalausschüssen aktiv war, wird man viele typische Szenen wiedererkennen. Auf diese Ereignisse reagiert die fiktive Person in einem zweiten Schritt. Diese Reaktion besteht meist aus einem Ausruf, der nicht-Kommunalpolitiker von den Lippen geht, wenn sie über die wahren Zustände erfahren. Diese Abschnitte beginnen daher mit „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder „Was für ein unnötiges Geschwätz“. Leipprand schafft es aber dem Leser eine Situation zu schildern, in der er mit den alltäglichen Dillemata von Kommunalpolitikern konfrontiert ist. Am Ende entscheidet er zwar nicht unbedingt so, wie in der Eingangszene beschrieben, aber er hat zumindest Verständnis für die Entscheidung gewonnen. Diese Verständnis wird in dem dritten Abschnitt, schlicht „Lektion“ betitelt, zusammengefasst. Jede Lehre wird mit einer Frage abgerundet, für die man Punkte erhält. Am Ende erfährt man so, ob man zu idealistisch für die Politik sei, aufgrund seiner Wertvorstellungen es in der Politik schwer habe, gut für die Politik gemacht sei oder gar zu gut für die Politik gemacht sei, sprich: zu korrupt und anpassungsfähig.

Die 22 Lektionen sind in einfacher und flüssiger Sprache gehalten. Die geschilderten Szenen langweilen nie. Das Buch ist daher für diejenigen, die mit Kommunalpolitik nie etwas zu tun hatten, eine ideale Lektüre. Sie werden unterhaltsam an das Thema herangeführt und erhalten eine weitestgehend realistische Schilderung kommunalpolitischer Vorgänge, Intrigen und Rituale. Danach hat versteht man vieles besser und hat im Idealfall sogar Lust, selbst aktiv zu werden. Denn trotz all der Mängel, die Leipprand schildert, wird doch deutlich: Etwas zu verändern, lohnt sich, selbst wenn man selbst dabei verändert wird. Und das ist die zweite Lehre: Das (kommunalpolitische) System ändert jeden Akteur, egal wie idealistisch er an die Sache herangeht. Mit dem Hintergrundwissen sind Idealisten zudem vor Enttäuschungen geschützt.

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