Beautiful ( von Rosenstolz)

Das letzte Lied des Rosenstolz-Albums „Wir sind am Leben“ ist lang und überzeugend. Das Lied greift eine Situation der Trauer und Einsamkeit auf und verbindet diese mit der Hoffnung und Bitte an jemanden, diese Situation zu lösen. Dabei werden überzogene Erwartungen formuliert, die in dem Satz „Make it beautiful now“ münden.

„Beautiful“ beginnt mit leichten Klavierklängen, die den Gesang in der ersten Strophe und im Refrain betonen. In der zweiten Strophe treten Bässe dazu, die sich zum Refrain hin steigern. Die ganze Zeit über erklingen sehr dezente Streicher im Hintergrund, die nach dem zweiten Refrain in den Vordergrund treten, die dritte Wiederholung des Refrains über weiter gespielt werden und am Ende während der mehrfachen Wiederholung der Zeile make it beautiful now sehr laut erklingen.

Das Lied besteht aus zwei Strophen. In der ersten Strophe wird die verlorene und orientierungslose Situation thematisiert. Viel zu lange war ich fort, find nicht mehr nach Haus, fasst die Botschaft am Ende der Strophe zusammen. Die zweite Strophe wiederholt betont die Einsamkeit der vorherigen Situation (große Sehnsucht, große Stadt), bringt aber zusätzlich noch eine gescheiterte Beziehung in die Handlung, Traum von Liebe ist geplatzt. Dem schließt aber gleich danach die erwünschte und erhoffte Rettung an: Herz verloren, unbewacht, bringst Du mich nach Haus. Bereits im Liedtext ist also darauf hingewiesen, dass es eine andere Person braucht, um die Situation zu durchbrechen.

An dieser Person wird im Refrain appelliert. Bei ihr wird nach Bestätigung für Sicherheit (Sag, dass Du heut bei mir bleibst), Hilfe (meine Wunden wieder heilst), Zuversicht (Küss die Angst aus meinem Gesicht, leuchte heute nur für mich) gesucht. Vor allem aber sollen die Einsamkeit und die Orientierungslosigkeit durchbrochen werden (Lass mich nicht mehr alleine hier, bring mich nach Haus). Das sind sehr hohe Erwartungen. Es ist aber in einer traurigen und etwas verzweifelten Situation die größte Hoffnung: Dass es jemanden gibt oder geben wird, der einen von der Lage ablenkt und neue Zuversicht gibt. Dann fällt es schnell leicht, diese großen Erwartungen zu erfüllen.

Ein Zwischenspiel vor der dritten Wiederholung des Refrains ist eine Erklärung des Ziels (bring mich nach HausWo die Zeit nicht so schnell rennt), dort tritt man selbstischerer und wahrhaftiger auf (Wo ich sein kann, was ich bin, Wo die Angst mich nicht regiert) und zuletzt erfühlt man dort Sicherheit und Orientierung (Wo ich mich nicht mehr verlier). Das Zwischenspiel macht aber auch sehr deutlich, dass dieser Zustand an dem derzeitigen Ort in der derzeitigen Lage nicht erreicht werden kann: Bring mich weg, bring mich fort von hier.

An die dritte Refrain-Wiederholung schließt sich dann, gesungen von einem australischen Sänger, die titelgebende Zeile an: Make it beautiful now. Das ist eine unglaublich übertriebene Erwartung. Schließlich kann nicht eine einzelne Person alle Probleme, alle Schwierigkeiten, die man mit sich herum schleppt wieder richten und „schön“ machen. Das ist aber auch nicht die Aussage des Liedes.

Stattdessen vermittelt es tatsächlich mit den Strophen und der Melodie den Eindruck einer traurigen, melancholischen Situation. Es macht aber deutlich, dass es daraus einen Ausweg gibt. Das ist der „leidenden“ Person durchaus bewusst. Die externe, angesprochene Person macht also keineswegs alles wieder „schön“. Stattdessen wird sie dafür benötigt, den Ausweg, der aus eigener Kraft nicht erkennbar ist, aufzuzeigen. Das geht vor allem durch die im Refrain erbetene Nähe.

„Beautiful“ ist auf diese Weise tatsächlich ein sehr schönes Lied. Es wird nicht nur von einer angenehmen Melodie getragen, sondern bringt den Hörer von einer melancholischen in eine äußerst zuversichtliche Stimmung. Gerade die Streicher zum Schluss erwecken tatsächlich den Eindruck einer sich aufklärenden Lage, die durch jedes „beautiful“ ein Stück besser ist. Gleichzeitig bedient das Lied die in einer traurigen, einsamen Situation immer angelegte Sehnsucht nach einer helfenden Person.

Das Album „Wir sind am Leben“ wird, nach vielen Liedern, die die eigene Lebensführung hinterfragen sollen, mit einem zuletzt sehr zuversichtlichen Lied abgerundet. Gleichzeitig ist „Beautiful“ auch das stärkste und beste Lied des Albums.

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