Touristen (ARD-Radiotatort)

Die Berliner Kommissarin Katharina Holz hat sich umgebracht, ein schwerer Schlag für ihren Ermittlungspartner Alexander Polanski. Doch er weigert sich, seine Trauer erst einmal zu verarbeiten, sondern stürzt sich in einen Fall. Ein Amerikaner wurde in Berlin ermordet. Zunächst gibt es keine Hinweise. Doch dann wird Alexander von einem zwielichtigen, aber berühmten Boulevardjournalisten angesprochen. Der bietet ihm einen Deal an. Wenn Alexander ihm Dokumente liefert, die beweisen, dass seine Partnerin durch Mobbing zum Selbstmord getrieben wurde, werden ihm Informationen zum Mordfall geliefert.

„Touristen“ ist ein sehr düsterer Tatort. Dabei gibt es keine grausamen Fall, doch die Rahmenbedingungen stimmen bis zum Ende nicht. Alexander leidet schwer unter dem Selbstmord seiner Kollegin. Leider ist dieser etwas unverständlich. Der vergangene Tatort aus Berlin hat darauf nicht hingewiesen. Der Selbstmord kommt daher überraschend, bis zum Schluss wirkt er nicht glaubwürdig. Dieser Radiotatort leidet darunter, denn auch Alexander Trauer überzeugt dadurch nicht. Das Unverständnis des Zuhörers ist ein anderes als der Unglauben von Alexander. Schade.

Der Fall selbst ist klug konstruiert. Der Boulevardjournalist führt Alexander zu einem alten Ehepaar. Die Frau ist die Tochter eines ehemaligen KZ-Kommandanten. Ihr Mann aber ist jüdischer Herkunft, der seine komplette Familie in den Lagern der Nazis verloren hat. Daher hat sie ihm in 53 Ehejahren nicht verraten, wer ihr Vater wirklich war. Sie wird von einem amerikanischen Ermittler, der eigentlich alte Nazi-Kriegsverbrecher jagen soll, erpresst. Dieser Ermittler ist das Mordopfer. Hieraus entsteht zwar keine Spannung, aber der Hörer hat Mitgefühl mit der alten Frau.

Letztlich ist sie nicht die Täterin. Doch Alexander kann die Ermittlung nicht ganz zu Ende bringen. Er hat dem Boulevardjournalisten nämlich nicht die Daten geliefert, die dieser gerne gehabt hätte. Daher zettelt der Journalist eine Intrige an, durch die Alexander sich in einem Bürojob wiederfindet. Zwar hat sich Alexander nicht ganz richtig verhalten – er ignorierte Anweisungen, ermittelte rücksichtslos allein – doch die Strafversetzung ist ungerechtfertigt.

Dieser Handlungsstrang soll die Macht des (Boulevard)Journalismus verdeutlichen. Der Fall kann nur mit den Hinweisen des Journalisten aufgedeckt werden. Alexander ist also auf ihn angewiesen. Da er keine falschen Gerüchte in die Welt setzen will, belügt er den Journalisten. Der zahlt es ihm mit der Anzettlung einer Strafversetzung heim. Alexander hat somit alles in seiner Macht stehende getan, um den Fall aufzulösen. Doch bei dem Versuch an die Informationen zu gelangen und gleichzeitig sein Gewissen rein zu halten, hat er seine Stellung innerhalb der Polizei aufgegeben. Das ist eine interessante Handlung, mit einer überzeugend tragischen Komponente.

„Touristen“ ist ein müder Tatort, der keinen wirklich spannenden Fall bietet. Der große Handlungsstrang um den Suizid Katharina Holz wirkt unglaubwürdig. Diese Geschichte hätte man lieber nicht erzählt. Die einzig gelungene Komponente des Falls ist die Handlung um den Einfluss des Journalismus auf die Polizeiarbeit. Das Potential dieser Erzählebene wird jedoch bei weitem nicht ausgereizt, sie reicht nicht für einen guten Tatort.

Der Radiotatort ist noch bis zum 16. Juli auf der Homepage der Reihe herunterladbar.

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