Silber (von Steven Savile)

Dreizehn Engländer verbrennen sich gleichzeitig in dreizehn verschiedenen Städten. Zuvor verkündet jeder von ihnen vierzig Tage des Terrors, an deren Ende der Glaube fallen wird. Die Welt ist geschockt. Während die Medien noch rätseln, was geschehen ist, ruft Sir Charles Windham sein geheimes Team zusammen. Das besteht aus vier ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern, alle mit illustrer Vergangenheit, und einem äußerst geschickten Hacker. Charles Windham sitzt seit vielen Jahren im Rollstuhl, weiß aber bereits, dass die Judas-Sekte hinter dem aktuellen Wirbel steckt. Sechs Personen müssen nun herausfinden, mit welchen Methoden die Sekte die Menschheit terrorisieren möchte.

„Silber“ ist spannend und kurzweilig geschrieben. Die Kapitel sind nicht zu lang, es geschieht viel. Der Autor schreibt dabei angenehm ausgewogen. Um den Judas-Mythos enthüllt er eine Reihe von Theorien. Das braucht häufig mehrere Seiten und ist teilweise kompliziert. Diesen spannenden, aber langwierigen Ausführungen stellt Savile viele Action-Szenen gegenüber. So wechseln sich Geschichtslektionen mit Verfolgungsjagden und Schießereien regelmäßig ab.

Die Darstellung des Mythos ist dabei besonders gelungen. Der Autor erweckt mit diesem Roman tatsächlich den Eindruck, alles was sein Team erfährt und erlebt, könnte tatsächlich so geschehen sein. Das ist für einen Religionsthriller bereits ein wichtiger Schritt. Einzig die Rückblenden in die Zeit nach Judas Tod hätte man sich sparen können. Diese Szenen wirken wie ein Nachspiel , von dem, was man bereits in der Gegenwart erfahren hat. Abgesehen davon, dass sie dem Leser wohl zeigen sollen, dass es sich bei dem Dolch tatsächlich um das Silber, das Judas für den Verrat an Jesus erhalten hat, handelt, haben sie keinerlei Funktion.

Saviles Charaktere sind allesamt skurril. Sie alle haben eine bewegte Geschichte hinter sich, die in dem Roman meist nur mit ein paar Sätzen kommentiert wird. Nur bei der einzigen Frau im Team, Orla, und Windham wird ausführlicher auf die Vergangenheit eingegangen. Das ist einerseits angenehm, da Romane mit ständigen Rückblicken häufig konstruiert und bemüht wirken. Andererseits bleiben die meisten Charaktere dadurch blass. Keiner der „Guten“ erlebt im Roman eine Wandlung. Und bis auf Orla erlebt niemand eine wirklich schlimme Situation. Daran kann kein Charakter wachsen. Außerdem sind alle Teammitglieder die reinsten Tötungsmaschinen, denen es leicht fällt, alleine sechs Feinde auszuschalten. Das wirkt an einigen Stellen unrealistisch.

Ärgerlich ist zudem, dass trotz der dichten Handlung wenig geschieht. Der Leser erfährt bis zum Schluss zwar alle Zusammenhänge (oder glaubt das zumindest), das Team selbst erreicht jedoch wenig. Es gelingt, zwei Bösewichte auszuschalten. Doch den grausamsten übersieht man und so geht der Plan der Sekte doch in Erfüllung. Das erscheint am Ende eines vierhundertseitigen Roman, der nicht als Beginn einer Reihe gekennzeichnet ist, doch etwas enttäuschend. Der Cliffhanger ist zweiffelsohne gelungen, schöner wäre es aber gewesen, wenn der Fall in diesem Roman zu Ende gebracht worden wäre.

„Silber“ ist ein flott geschriebener Roman, der mit einem gut gestrickten Religionsmythos aufwarten kann. Leider bleiben die Charaktere hinter der Komplexität der Geschichte zurück. Obwohl jeder eine Besonderheit aufweist, wirken sie hölzern und können selten überzeugen. Wer den Roman liest, muss sich darauf einstellen, dass hier lediglich der Mythos entstrickt wird. Die eigentliche Handlung wird wohl erst in der Fortsetzung einsetzen.

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